Malaxis monophyllos
Während viele Orchideen durch große, farbenprächtige Blüten auffallen, gibt es auch Arten, deren Reiz in ihrer Unauffälligkeit liegt. Zu diesen zählt Malaxis monophyllos, im Deutschen als "Einblatt" oder "Einblättrige Weichorchis" bekannt.
Mit ihren kleinen grünlichen Blüten und ihrem schlichten Erscheinungsbild wird sie von Wanderern häufig übersehen. Dennoch gehört das Einblatt zu den botanisch interessantesten heimischen Orchideen. Seine spezielle Lebensweise, seine Bindung an feuchte und naturnahe Standorte sowie seine Seltenheit machen die Art zu einem wichtigen Bestandteil der europäischen Flora.
Malaxis monophyllos zählt zur Gattung "Malaxis", die weltweit etwa 300 Arten umfasst. Die meisten Vertreter dieser Gattung wachsen in den Tropen und Subtropen. Mit Malaxis monophyllos besitzt jedoch auch Europa einen Vertreter dieser überwiegend tropischen Pflanzengruppe.
Der wissenschaftliche Gattungsname "Malaxis" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "weich" oder "zart". Er bezieht sich auf die weiche Beschaffenheit der Pflanzenteile. Der Artname "monophyllos" setzt sich aus den griechischen Wörtern "monos" (einzeln) und "phyllon" (Blatt) zusammen und beschreibt das auffälligste Merkmal der Pflanze – ihr meist einzelnes Laubblatt.


Malaxis monophyllos besitzt ein großes, aber lückenhaftes Verbreitungsgebiet. Die Art kommt in weiten Teilen der gemäßigten und borealen Zone der Nordhalbkugel vor. Ihr Areal erstreckt sich über Mittel- und Nordeuropa, Skandinavien, dem Baltikum, dem Alpenraum, Osteuropa, Russland, Sibirien, Zentralasien, Teile Ostasiens und Nordamerika. Trotz dieses großen Verbreitungsgebietes tritt sie fast überall nur sehr lokal auf.
In Österreich zählt das Einblatt zu den seltenen Wildorchideen. Einzelne Populationen finden sich überwiegend in montanen und subalpinen Regionen. Die Art wächst meist in kleinen Beständen und gilt vielerorts als gefährdet. Alle natürlichen Vorkommen stehen unter gesetzlichem Schutz.
Malaxis monophyllos ist eine zierliche, ausdauernde Orchidee, die meist Wuchshöhen zwischen 10 und 30 Zentimetern erreicht. Namensgebend ist das einzelne große Laubblatt, das sich etwa in der Mitte des Stängels befindet. Gelegentlich entwickeln kräftige Pflanzen ein zweites, deutlich kleineres Blatt. Über dem Blatt erhebt sich ein schlanker Blütenstand mit zahlreichen kleinen Einzelblüten. Je nach Wuchsbedingungen können zwischen 20 und über 80 Blüten gebildet werden. Die Blüten sind gelbgrün bis hellgrün, nur wenige Millimeter groß, locker angeordnet und leicht nach oben gerichtet. Die Lippe der Blüte ist nach oben gedreht, da sich der Fruchtknoten während der Entwicklung dreht – ein für Orchideen typischer Vorgang, der als Resupination bezeichnet wird. Die Blütezeit liegt überwiegend zwischen Juni und August.
Das Einblatt bevorzugt dauerhaft feuchte und naturnahe Lebensräume. Typische Standorte sind Quellmoore, Niedermoore, Feuchtwiesen, sumpfige Waldlichtungen, Erlen- und Birkenmoore, quellige Bergwiesen und kalkreiche Nassstandorte. Besonders wichtig sind Standorte mit geringer Konkurrenz durch hochwüchsige Pflanzen. Malaxis monophyllos ist hervorragend an dauerhaft feuchte Lebensräume angepasst.
Über die Bestäubungsbiologie des Einblatts ist deutlich weniger bekannt als über viele auffälligere Orchideenarten. Als Bestäuber kommen vermutlich verschiedene kleine Insekten infrage, darunter kleine Fliegen, Mücken, Pilzmücken und winzige Hautflügler. Die Blüten produzieren geringe Mengen Nektar und locken ihre Bestäuber überwiegend durch Duftstoffe an.
Wie nahezu alle Orchideen ist auch Malaxis monophyllos auf eine enge Symbiose mit Bodenpilzen angewiesen. Die winzigen Samen enthalten praktisch keine Nährstoffreserven. Erst geeignete Mykorrhizapilze ermöglichen die Keimung, die Versorgung des Keimlings und das frühe Wachstum. Diese Pilzgemeinschaft bleibt häufig auch bei ausgewachsenen Pflanzen erhalten und unterstützt die Nährstoffaufnahme.
Das Einblatt gilt als wertvolle Zeigerpflanze für naturnahe Feuchtgebiete. Gemeinsam mit anderen seltenen Pflanzen trägt es zur hohen Artenvielfalt dieser empfindlichen Lebensräume bei.
Malaxis monophyllos gehört in vielen Ländern Europas zu den gefährdeten Orchideenarten. Da die Art sehr empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums reagiert, steht vor allem der Schutz intakter Feuchtgebiete im Mittelpunkt der Naturschutzarbeit. Malaxis monophyllos gehört zu den unscheinbarsten, aber zugleich bemerkenswertesten Wildorchideen Europas. Mit ihrem charakteristischen Einzelblatt, den zahlreichen kleinen grünlichen Blüten und ihrer engen Bindung an feuchte Lebensräume nimmt sie innerhalb der heimischen Orchideenflora eine besondere Stellung ein.






















