Avakas-Schlucht & Edro-Schiffswrack
An der Westküste Zyperns liegen zwei Ziele, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während sich die Avakas-Schlucht tief in das Kalksteingebirge der Akamas-Region eingeschnitten hat, liegt wenige Kilometer weiter nördlich das rostende Wrack der Edro III direkt vor der felsigen Küste.
Beide Ziele lassen sich gut miteinander verbinden und eignen sich besonders für einen Ausflug, bei dem man die Wanderung durch eine eindrucksvolle Schlucht mit einem Abstecher an die Küste verbinden kann. Und mit etwas zeitlicher Planung lässt sich daraus sogar ein besonders schöner Tagesabschluss machen.
Die Avakas-Schlucht gehört zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten im Westen Zyperns. Über Jahrtausende hat sich der kleine Avgas-Fluss tief in das Kalkgestein eingeschnitten und dabei eine schmale Schlucht geschaffen, deren Felswände stellenweise dicht zusammenrücken.
Der Zugang führt zunächst durch eine eher offene Landschaft. Schon bald wird der Weg jedoch enger und die Felswände werden höher. Mit zunehmender Tiefe verändert sich auch die Vegetation. Zwischen den Felsen wachsen Sträucher, Bäume und Kletterpflanzen, während an den schattigen Stellen eine deutlich kühlere und feuchtere Atmosphäre herrscht als in der offenen Landschaft.

Avakas-Schlucht

Avakas-Schlucht
Die Schlucht ist kein klassischer Spazierweg. Der Untergrund kann steinig und uneben sein, teilweise führt der Weg direkt durch oder neben dem Bachbett. Je nach Jahreszeit und Wasserstand können einzelne Stellen schwieriger passierbar sein.
Gerade das macht den besonderen Reiz der Avakas-Schlucht aus: Man ist nicht einfach auf einem befestigten Wanderweg unterwegs, sondern bewegt sich mitten durch die Landschaft.
Kalkstein, Schatten und eine besondere Pflanzenwelt
Die steilen Kalksteinwände sind nicht nur landschaftlich interessant. Die unterschiedlichen Licht- und Feuchtigkeitsverhältnisse schaffen auf relativ kurzer Strecke verschiedene Lebensräume.
Während außerhalb der Schlucht die typische trockene Vegetation des Akamas vorherrscht, finden sich innerhalb der Schlucht schattigere und geschütztere Bereiche. Moose, Farne und schattenliebende Pflanzen können sich hier halten, während an den offenen Felswänden typische mediterrane Arten wachsen.
Auch botanisch lohnt es sich deshalb, nicht nur nach vorne zu schauen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt zwischen den Felsen immer wieder Pflanzen, die in der trockenen Umgebung außerhalb der Schlucht kaum zu erwarten wären.
Die Felsformationen selbst sind dabei fast ebenso interessant wie die Vegetation. Überhängende Kalksteinplatten, ausgewaschene Wände und bizarre Formen zeigen, wie stark Wasser und Verwitterung die Schlucht über lange Zeit geprägt haben.
Das Edro-Schiffswrack
Die Edro III war ein unter der Flagge von Sierra Leone fahrendes Frachtschiff, das im Dezember 2011 auf dem Weg von Limassol nach Rhodos vor der Küste Zyperns auf Grund lief.
Starker Seegang brachte das Schiff vom Kurs ab. Schließlich strandete es auf den Felsen nahe Pegeia, wo es bis heute liegt.
Das Wrack ist etwa 80 Meter lang und liegt nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Anders als viele Schiffswracks ist die Edro III dadurch sehr gut von Land aus zu sehen.
Heute ist das Schiff längst selbst zu einem Bestandteil der Küstenlandschaft geworden. Der Rost, die teilweise zerfallenden Aufbauten und die schroffen Kalkfelsen bilden einen ungewöhnlichen Gegensatz zum tiefblauen Mittelmeer.
Ein ungewöhnlicher Anblick
Besonders beeindruckend ist die Perspektive vom Ufer. Das Schiff scheint beinahe zwischen den Felsen festzukleben, während sich dahinter das offene Meer ausbreitet.
Je nach Licht verändert sich der Eindruck völlig. Bei hartem Tageslicht wirkt das Wrack eher technisch und nüchtern. Gegen Abend hingegen kommen die rostigen Farbtöne des Schiffes wesentlich stärker zur Geltung.

Schiffswrack Edro III bei Pegeia
Tip: Fotografieren
Avakas-Schlucht (Avakas Gorge)
Beste Tageszeit: Vormittag (ca. 09:00 – 11:30 Uhr) oder später Nachmittag.
Lichtverhältnisse: Die Schlucht ist tief und eng. Zur Mittagszeit brennt das Licht steil von oben hinein, was extrem harte Kontraste und überbelichtete Felskanten erzeugt.
Am frühen Vormittag fällt sanftes, indirektes Streulicht in die Schlucht. Dadurch leuchten die Felswände warm, ohne dass tiefe Schatten das Bild ruinieren.
Besuchermassen: Ein früher Start (vor 10:00 Uhr) verhindert, dass andere Wanderer ständig im Bild stehen.
Fototipp: Ein Weitwinkelobjektiv eignet sich am Besten, um die engen, hohen Felswände komplett einzufangen.
Schiffswrack Edro III
Beste Tageszeit: Goldene Stunde & Blauer Stunde (ca. 1 bis 1,5 Stunden vor bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang).
Lichtverhältnisse: Das Wrack liegt direkt an der Westküste und schaut gen Westen / Südwesten.
Zur Goldenen Stunde taucht die untergehende Sonne das Rostrot des Schiffes, die Wellen und den Himmel in spektakuläre Orange-, Gold- und Rottöne.
Während der Blauen Stunde (kurz nach Sonnenuntergang) hebt sich die dunkle Silhouette des Schiffes perfekt vom leuchtend blauen Himmel und dem Wasser ab.
Sowohl die Avakas-Schlucht (Avakas Gorge) als auch das Schiffswrack Edro III liegen nahe beieinander an der Westküste Zyperns (bei Pegeia/Paphos). Da sie nur ca. 10–15 Fahrminuten voneinander entfernt sind, lassen sie sich hervorragend an einem einzigen Tag kombinieren.

Anfahrt zur Avakas-Schlucht
Das letzte Stück der Zufahrt zum Parkplatz bzw. dem Wanderparkplatz direkt am Beginn des Trails ist eine unbefestigte Schotterpiste (Dirt Track), die ab dem Ende der Asphaltstraße beim White River Beach / Restaurant Viklari beginnt.
Straßenzustand bei trockenem Wetter
Untergrund & Beschaffenheit: Der Weg besteht aus losem Kies, grobem Schotter und unebenem Naturstein. Es gibt zahlreiche Schlaglöcher, tiefere Spurrillen und freiliegende Steine.
Befahrbarkeit: Bei Trockenheit ist der Abschnitt auch mit einem normalen Mietwagen (Kleinwagen) befahrbar, erfordert jedoch sehr langsames, vorausschauendes Fahren, um Schäden am Unterboden oder den Reifen zu vermeiden. Viele Besucher entscheiden sich dafür, ihr Fahrzeug bereits weiter vorne abzustellen und den restlichen Weg zu Fuß zu gehen.
Straßenzustand bei und nach Regen
Schlamm und Aufweichung: Bei Regen verwandelt sich der unbefestigte Weg in eine matschige Rutschbahn.
Wasseransammlungen & Rinnsale: In den Vertiefungen und Schlaglöchern bilden sich tiefere Pfützen, deren Tiefe von oben schwer einzuschätzen ist. Kleinere Wasserläufe und Geröll können über die Piste gespült werden.
Fahrzeugauswahl & Mietwagenbedingungen: Ein normaler Kleinwagen bleibt ohne Allradantrieb (4x4) oder höhere Bodenfreiheit leicht im Schlamm stecken oder setzt auf. Zudem schließen fast alle zypriotischen Mietwagenverträge Versicherungsschutz für Schäden auf unbefestigten Straßen explizit aus.
Wichtiger Sicherheitshinweis zur Schlucht selbst
Falls es geregnet hat oder Regen bevorsteht, sollten Sie nicht nur die Zufahrt beachten, sondern die Wanderung in die Avakas-Schlucht zwingend absagen oder verschieben. In der engen Schlucht besteht bei Niederschlag akute Gefahr von Sturzfluten (Flash Floods), stark ansteigendem Wasser sowie erhöhtem Steinschlag.

































