Aphrodite-Felsen & Kourion – Mythologie und Geschichte
An der Südküste Zyperns treffen auf relativ kurzer Strecke zwei ganz unterschiedliche Seiten der Insel aufeinander. Bei "Petra tou Romiou", dem sogenannten Aphrodite-Felsen, geht es um Mythologie, Meer und eine eindrucksvolle Küstenlandschaft. Nur wenige Kilometer weiter westlich von Limassol liegt mit Kourion eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Zyperns.
Beide Ziele lassen sich hervorragend miteinander verbinden und zeigen, wie unterschiedlich die Geschichte und Landschaft der Insel sein können.
Der Aphrodite-Felsen
an der Südwestküste Zyperns zwischen Paphos und Limassol gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Insel. Mehrere große Felsen liegen unmittelbar vor der Küste und ragen aus dem Meer. Zusammen mit den steilen Hängen und dem offenen Mittelmeer ergibt sich eine Landschaft, die schon allein wegen ihrer Lage einen Besuch wert ist. Er verbindet antike Mythologie, byzantinische Legenden und eine beeindruckende Küstenkulisse.


Der Ort ist untrennbar mit dem antiken Mythos um Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, Schönheit und Begierde, verbunden.
Hier soll Aphrodite aus Meeresschaum entstanden sein - das wilde, oft gischtende Meer an diesem spezifischen Küstenabschnitt erzeugt auf natürliche Weise weiße Schaumkronen um die Felsen. Der Wind Zephyros soll sie anschließend auf einer Muschel an die Küste von Zypern getragen haben.
Zypern wurde dadurch eng mit der Göttin verbunden und trägt bis heute den Beinamen "Insel der Aphrodite".
Um die Felsen ranken sich einige Legenden. Eine der bekanntesten besagt, dass wer den Hauptfelsen bei Vollmond dreimal gegen den Uhrzeigersinn umschwimmt, mit ewiger Jugend, Schönheit und dem Auffinden der wahren Liebe belohnt wird. Ein weiterer Brauch ist das Binden von Stoffstreifen oder Taschentüchern an die Büsche auf den Klippen als Wunsch für Liebesglück.
Obwohl der Ort heute international als Aphrodite-Felsen bekannt ist, lautet sein lokaler und historischer Name "Petra tou Romiou" ("Der Fels des Griechen" oder "Der Fels des Byzantiners"). Dieser Name führt in eine völlig andere Epoche: die Digenis-Akritas-Legende.
Im 9. bis 11. Jahrhundert war Zypern wiederholt Angriffen von sarazenischen Piraten ausgesetzt. Der Volkssage nach beschützte der byzantinische Volksheld Digenis Akritas – ein Mann von gigantischer Körperkraft – die Insel.
Um eine herannahrende Flotte der Sarazenen zu vernichten, soll Digenis einen riesigen Felsbrocken aus dem Keryneia- oder Troodos-Gebirge herausgerissen und mit voller Wucht ins Meer geschleudert haben. Der Fels zermalmte die feindlichen Schiffe und liegt bis heute an dieser Stelle.
Aus geologischer Sicht ist "Petra tou Romiou" ein faszinierendes Zeugnis der tektonischen Geschichte des östlichen Mittelmeers. Die markanten dunklen und hellen Felsformationen sind riesige Kalkstein- und Ophiolithblöcke, die durch die Kollision der afrikanischen und eurasischen Kontinentalplatte vor Millionen von Jahren aus dem Meeresboden emporgehoben und an die Küste verfrachtet wurden.
Die Felsen stehen isoliert am Rand eines groben Kieselstrandes, der von steilen Kalksteinklippen eingerahmt wird. Die Strömung ist hier oft tückisch und das Wasser wird schnell tief, was dem Strand seine wilde, ungezähmte Ästhetik verleiht.


Kourion – Stadt über dem Meer
Von "Petra tou Romiou" geht es entlang der Küste weiter in Richtung Limassol. Auf einem weit ins Meer vorspringenden Höhenrücken liegt Kourion, eine der beeindruckendsten archäologischen Stätten Zyperns.
Die antike Stadt entstand an einer strategisch günstigen Stelle hoch über der Küste. Von hier konnte man das fruchtbare Tal des Kouris überblicken und gleichzeitig die Küstenregion kontrollieren.
Die Besiedlung der weiteren Umgebung reicht weit zurück. Für das eigentliche Kourion sind Siedlungsspuren und Gräber aus der Bronzezeit bekannt; der antike Stadtstaat entwickelte sich später zu einem bedeutenden Zentrum. Nach einer langen Geschichte wurde Kourion durch ein schweres Erdbeben im Jahr 365 n. Chr. zerstört.
Heute sind große Teile der antiken Stadt ausgegraben und vermitteln einen guten Eindruck von ihrer einstigen Bedeutung. Das auffälligste Bauwerk ist das antike Theater. Es wurde ursprünglich Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. errichtet und später, insbesondere im 2. Jahrhundert n. Chr., erheblich erweitert.
Das halbkreisförmige Theater konnte etwa 3.500 Zuschauer aufnehmen. Seine Lage am südlichen Rand des Stadthügels ist außergewöhnlich: Hinter der historischen Anlage öffnet sich der Blick weit über die Landschaft und das Mittelmeer. Das Theater wurde im Laufe seiner Geschichte zeitweise auch für andere Veranstaltungen genutzt. Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde es beispielsweise zu einer Arena für Tierkämpfe umgebaut, bevor es später wieder seiner ursprünglichen Funktion als Theater zugeführt wurde.
Heute ist das restaurierte Theater wieder Schauplatz kultureller Veranstaltungen und Aufführungen. Für Besucher ist es wahrscheinlich der Ort innerhalb von Kourion, an dem man am längsten stehen bleibt. Nicht nur wegen des Bauwerks selbst, sondern auch wegen seiner Lage.
Neben dem Theater gehören die gut erhaltenen Mosaiken zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Kourion. Besonders bekannt sind die Häuser des Eustolios, der Gladiatoren und des Achilles. Die Mosaikböden zeigen unterschiedliche mythologische und alltägliche Darstellungen und geben einen Einblick in die Ausstattung wohlhabender Häuser der römischen und frühchristlichen Zeit.
























