Troodos-Gebirge – Zyperns Bergwelt
Während an den Küsten Zyperns heißes, trockenes Mittelmeerklima herrscht, bildet das Troodos-Gebirge ein völlig eigenes Ökosystem. Hier erhebt sich im Zentrum Zyperns ein ausgedehntes Bergmassiv mit dichten Wäldern, tief eingeschnittenen Tälern, kleinen Bergdörfern und einer Landschaft, die sich deutlich vom trockenen Küstentiefland unterscheidet.
Der höchste Berg Zyperns, der Mount Olympos, erreicht 1.952 Meter. Rund um die höchsten Gipfel erstrecken sich ausgedehnte Schwarzkiefern-, Kalabrische Kiefern- und Zedernwälder, während tiefer gelegene Bereiche von Platanen, Eichen und anderen mediterranen Baumarten geprägt werden.
Gerade im Frühjahr ist das Troodos-Gebirge ein interessantes Reiseziel. Während an der Küste bereits beinahe sommerliche Temperaturen herrschen können, ist es in den Bergen deutlich kühler. Und selbst gegen Ende März kann im Troodos noch Schnee liegen.


Troodos, Kloster Agios Nicolaos Tis Stegis
Straßen führen von der Küste oder aus dem Inselinneren langsam bergauf. Mit zunehmender Höhe verändert sich die Vegetation. Die trockene, von Sträuchern und niedrigen Bäumen geprägte Landschaft weicht dichten Wäldern.
Besonders charakteristisch sind die Zypern-Zedern und die endemische Schwarzkiefer (Pinus nigra subsp. pallasiana), die große Teile der höheren Lagen bedeckt. Dazwischen öffnen sich immer wieder kleine Lichtungen und Ausblicke über die bewaldeten Berghänge.
Das Troodos ist keine Landschaft, die man nur wegen eines einzelnen Aussichtspunktes besucht. Vielmehr sind es die vielen kleinen Eindrücke entlang der Straßen und Wanderwege, die den Reiz ausmachen: ein Dorf am Berghang, eine alte Steinbrücke in einem bewaldeten Tal, ein Kloster oder plötzlich ein weiter Blick über die Berge.
Die Geschichte des Troodos ist eng mit den Bergdörfern und den zahlreichen Kirchen und Klöstern verbunden. Viele Orte liegen an alten Verkehrswegen, die einst die verschiedenen Regionen der Insel miteinander verbunden haben.
Eine besondere Bedeutung haben die zehn byzantinischen Scheunendachkirchen des Troodos, die wegen ihrer Architektur und ihrer gut erhaltenen Wandmalereien zum UNESCO-Welterbe gehören. Die Kirchen wirken von außen teilweise erstaunlich schlicht. Ihre steilen, mit Ziegeln gedeckten Dächer erinnern eher an traditionelle Bauernhäuser als an repräsentative Sakralbauten. Im Inneren finden sich jedoch umfangreiche Wandmalereien, die über Jahrhunderte erhalten geblieben sind.
Eine dieser Kirchen ist das Kloster Agios Nikolaos tis Stegis bei Kakopetria im bewaldeten Solea-Tal. Der Name bedeutet sinngemäß "Heiliger Nikolaus des Daches" und verweist auf das auffällige, steil geneigte Holzschindeldach, das die Kirche vollständig überdeckt. Die Kirche ist dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht und stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 11. Jahrhundert. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und verändert. Besonders bedeutend sind die zahlreichen, wertvollen Wandmalereien aus unterschiedlichen Epochen.
Gemeinsam mit anderen bemalten Kirchen des Troodos gehört Agios Nikolaos tis Stegis seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Gerade die Lage macht den Besuch besonders interessant. Die Kirche steht nicht mitten in einem großen Ort, sondern eingebettet in eine bewaldete Berglandschaft.

Troodos, Kloster Agios Nicolaos Tis Stegis

Troodos, Elias Bridge
Eine weitere Besonderheit des Troodos-Gebirges sind die zahlreichen historischen Steinbrücken, als "Venezianische Brücken" bekannt. Sie stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, als Zypern unter der Herrschaft der Republik Venedig (1489–1571) stand. Sie wurden erbaut, um alte Handelswege für Esel- und Maultierkarawanen über die Gebirgsflüsse zu sichern.
Die Saumpfade und Brücken dienten vor allem dem Transport wertvoller Rohstoffe aus den Bergen zu den Hafenstädten, im besonderen Paphos. Transportiert wurden vor allem Kupfererz aus den Minen des Troodos, Holz für den Schiffbau sowie Wein, Olivenöl und Getreide.
Die Brücken wurden im spitzbogigen, gotisch-venezianischen Stil erbaut, was ihnen hohe Stabilität gegen reißende Gebirgsbäche verleiht. Sie bestehen komplett aus unbehauenen Natursteinen und Flusskieseln der Region, die mit extrem beständigem Kalkmörtel aneinandergefügt wurden. Da sie nur für Packtiere und Fußgänger gedacht waren, sind sie selten breiter als zwei Meter.
Die größte und bekannteste der Brücken ist die "Tzelefos-Brücke". Sie überspannt den Diarizos-Fluss in einem dicht bewaldeten Tal voller Platanen. Die "Elias-Brücke" liegt am Fluss Xeros und verdankt ihren Namen den Olivenbäumen (Elia), die die Gegend prägen. Etwas abgelegener und ruhiger ist die "Roudia-Brücke" in einem dichten Kiefernwald gelegen und überspannt ebenfalls den Fluss Xeros.
Das Troodos-Gebirge ist außerdem eine der wasserreichsten Regionen Zyperns. Niederschläge und Schneefall im Winter sorgen dafür, dass zahlreiche Bäche durch die Täler fließen. Wo das Wasser über Felsstufen abwärts fließt, entstanden im Laufe der Zeit kleine Wasserfälle. Einer der bekanntesten ist der "Millomeri Waterfall" bei Platres.
Der Wasserfall lässt sich über einen eigenen Wanderweg erreichen. Der "Millomeri Waterfalls Trail" führt durch die bewaldete Berglandschaft und bietet dabei einen guten Eindruck von der für das Troodos typischen Vegetation.
Das Troodos-Gebirge lässt sich kaum an einem einzigen Tag vollständig kennenlernen. Zu groß ist das Gebiet, zu zahlreich sind die kleinen Dörfer, Kirchen, Klöster, Brücken und Wanderwege.
Wer sich Zeit nimmt, sollte deshalb nicht nur die bekannten Orte anfahren, sondern auch einmal auf kleineren Straßen durch die Täler fahren und spontane Stopps einplanen.
Besonders interessant ist die Verbindung unterschiedlicher Eindrücke: eine byzantinische Kirche, eine alte Steinbrücke, ein Bergdorf, ein Waldweg und schließlich ein Wasserfall.
Das Troodos zeigt damit eine Seite Zyperns, die man an der Küste kaum vermuten würde. Es ist eine Landschaft, in der Natur und Kultur auf engem Raum miteinander verbunden sind.

Troodos, Millomeri-Waterfalls
Schnee im Troodos Gebirge
Gerade Ende März und Anfang April zeigt sich, wie stark sich das Klima im Troodos von den Küstenregionen unterscheidet.
Während an der Küste bereits die ersten warmen Tage mit Temperaturen von deutlich über 20 Grad möglich sind, kann es in den höheren Lagen noch winterlich sein. Auch gegen Ende März kann im Troodos Schnee liegen.
Wer zu dieser Jahreszeit mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte deshalb nicht ausschließlich mit mediterranem Frühlingswetter rechnen. Nach einem warmen Tag an der Küste kann die Fahrt in die Berge überraschend winterlich werden.
Das betrifft insbesondere die höheren Bereiche rund um den Mount Olympos. Je nach Wetterlage können Straßen vorübergehend schneebedeckt oder rutschig sein.

Wanderbares Troodos Gebirge
Die schönsten Wanderungen im Troodos-Gebirge zeichnen sich durch ihre enorme Vielfalt aus: Sie führen um den höchsten Gipfel der Insel, durch kühle Schluchten entlang rauschender Bäche oder zu historischen Kulturdenkmälern.
Das Frühjahr (März–Mai) ist ideal für Wanderungen im Troodos Gebirge: zumeist angenehme Frühlingstemperaturen, blühende Pflanzen, hoher Wasserführung der Bäche. Der Herbst (September–November) bietet ebenso milde Temperaturen. Im Hochsommer bieten die Wege auf über 1.500 m kühle Zuflucht vor der Küstenhitze.
Feste Wanderschuhe sind wegen des oft vulkanischen, felsigen Untergrunds sehr zu empfehlen.
Zu den beliebtesten Trails zählen der Artemis Trail (Rundweg um den Olymp), der Atalante Trail, der Caledonia Trail (Kaledonia-Wasserfall), der Pouziaris Trail (Geheimtipp für Weitblicke), Venetian Bridges Nature Trail (Die Brücken-Route), oder der Millomeri Waterfalls Trail.
















































