Dactylorhiza sambucina
Dactylorhiza sambucina, das Holunder-Knabenkraut oder Holunder-Fingerwurz zählt zu den frühblühenden europäischen Knabenkräutern und ist durch ihre auffällige Farbvariabilität bekannt. Besonders charakteristisch ist das häufige Auftreten gelb und purpurrot blühender Pflanzen innerhalb derselben Population. Ihren deutschen Namen verdankt die Art dem schwachen Duft ihrer Blüten, der an Holunderblüten erinnern soll.
Das Holunder-Knabenkraut besiedelt extensiv genutzte Bergwiesen, Magerrasen und lichte Wälder und gilt vielerorts als typische Art traditionell bewirtschafteter Kulturlandschaften. Aufgrund des Rückgangs geeigneter Lebensräume ist die Art in zahlreichen Regionen leider selten geworden.
Die Art wurde ursprünglich von Carl von Linné als "Orchis sambucina" beschrieben. Im Zuge taxonomischer Neubearbeitungen wurde sie später der Gattung "Dactylorhiza" zugeordnet, deren Arten sich durch handförmig geteilte Speicherknollen und zahlreiche morphologische Gemeinsamkeiten auszeichnen.
Der wissenschaftliche Artname "sambucina" leitet sich vom lateinischen "Sambucus" (Holunder) ab. Er bezieht sich auf den zarten Duft der Blüten, der von manchen Beobachtern als holunderähnlich beschrieben wird. Der deutsche Name "Holunder-Knabenkraut" greift diese Eigenschaft ebenfalls auf.
Das Holunder-Knabenkraut ist eine mehrjährige krautige Pflanze und erreicht gewöhnlich Wuchshöhen von 10 bis 35 Zentimetern, in günstigen Lagen gelegentlich bis etwa 45 Zentimeter. Die Pflanze besitzt zwei handförmig geteilte Speicherknollen, aus denen jährlich ein neuer Spross hervorgeht. Der Stängel ist kräftig, aufrecht und im oberen Bereich leicht kantig. Die grundständigen und unteren Stängelblätter sind breit lanzettlich bis elliptisch und meist ungefleckt. Sie umfassen den Stängel teilweise und nehmen nach oben deutlich an Größe ab. Im Gegensatz zu vielen anderen Arten der Gattung "Dactylorhiza" fehlen die charakteristischen dunklen Blattflecken meist vollständig, wodurch sich die Art häufig gut erkennen lässt.


Der Blütenstand ist dicht, eiförmig bis zylindrisch und besteht aus 10 bis 40 Einzelblüten. Die Hochblätter sind grün bis leicht purpurn überlaufen und häufig etwa so lang wie der Fruchtknoten.
Die Blüten besitzen den typischen Aufbau der Knabenkräuter. Das auffälligste Merkmal ist ihre außerordentliche Farbvariabilität. In den meisten Populationen kommen zwei Farbformen vor, gelb bis hellgelb sowie purpurrot bis karminrot. Daneben existieren Übergangsformen mit orangefarbenen, rosafarbenen oder rötlich-gelben Blüten, die jedoch deutlich seltener sind. In Schweden heißt Dactylorhiza sambucina treffenderweise Adam och Eva. Der Name bezieht sich auf die beiden häufig gemeinsam auftretenden Blütenfarben, gelb bzw. gelblich-weiß (Eva) und purpurrot bis violett (Adam).
Die Art bevorzugt nährstoffarme, mäßig trockene bis frische Standorte. Typische Lebensräume sind Bergwiesen, Borstgrasrasen, Halbtrockenrasen, Magerweiden, lichte Laubwälder, Waldränder und Gebirgswiesen. Sie wächst überwiegend auf kalkarmen bis mäßig kalkhaltigen Böden und ist sowohl auf silikatischen als auch auf kalkhaltigen Substraten anzutreffen, sofern diese ausreichend nährstoffarm und gut drainiert sind. Die Höhenverbreitung reicht von etwa 200 bis über 2.400 Meter, wobei die Art in den Alpen und anderen Gebirgen besonders häufig zwischen 800 und 1.800 Metern vorkommt.
Dactylorhiza sambucina gehört zu den am frühesten blühenden europäischen Orchideen. Je nach Höhenlage beginnt die Blüte zwischen April und Juni. In tieferen Lagen erscheinen die ersten Blüten häufig bereits Anfang April, während alpine Populationen erst im Juni zur Blüte gelangen.
Das Holunder-Knabenkraut ist ein wichtiger Bestandteil artenreicher Magerwiesen und Bergweiden. Es profitiert von einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung mit später Mahd oder mäßiger Beweidung. Die Art gilt als Zeigerpflanze für ökologisch hochwertige, nährstoffarme Grünlandstandorte und trägt wesentlich zur Artenvielfalt traditioneller Kulturlandschaften bei. Da die Art sehr empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums reagiert, steht sie in zahlreichen Ländern unter gesetzlichem Schutz!


























