Die Orchideenblüte

Der systematische Aufbau der Orchideenblüte ist innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae) grundsätzlich gleich. Die Arten Ophrys holoserica (Hummel-Ragwurz) und Orchis pauciflora (Wenigblütiges Knabenkraut) besitzen dieselben Grundorgane, unterscheiden sich jedoch in deren Form und Spezialisierung. Beide Blüten sind zygomorph (nur eine Symmetrieebene) und an die Bestäubung durch Insekten angepasst.

Systematischer Aufbau der Orchideenblüte

1. Blütenhülle (Perigon)

Die Blütenhülle besteht aus sechs Blütenblättern, die in zwei Kreisen angeordnet sind:
• 3 Sepalen (Kelchblätter)
- ein mittleres (dorsales) Sepal
- zwei seitliche Sepalen
• 3 Petalen (Kronblätter)
- zwei seitliche Petalen
- ein stark umgebildetes drittes Petal, das Labellum (Lippe)

2. Labellum (Lippe)

Das Labellum ist das auffälligste Organ der Orchideenblüte.
Bei Ophrys holoserica:
• groß, samtig braun
• besitzt eine helle Malzeichnung (Macula)
• trägt Höcker und Anhängsel
• imitiert Form, Farbe und Behaarung eines weiblichen Insekts
• dient der sexuellen Täuschung (Pseudokopulation)
Bei Orchis pauciflora:
• dreilappig
• gelb bis gelbgrün gefärbt
• dient als Landeplatz
• besitzt einen langen Sporn (Calcar) mit Nektar

3. Säule (Columna oder Gynostemium)

Das wichtigste Kennzeichen der Orchideen.
Sie entsteht durch die Verwachsung von
• Staubblatt (Androeceum)
• Griffel
• Narbe (Gynoeceum)
zu einem einzigen Organ.
Die Säule trägt:
• Pollinien
• Narbe
• Rostellum (Trenngewebe)

4. Pollinien (Pollinia)

Bei Orchideen liegt der Pollen nicht lose vor.
Er ist zu festen Pollenpaketen (Pollinien) zusammengefasst.
Beim Besuch eines Bestäubers
• haften die Pollinien am Insekt,
• werden zur nächsten Blüte transportiert
• und dort auf die Narbe übertragen.

5. Sporn (Calcar)

Der Sporn ist eine Ausstülpung des Labellums.
Bei Orchis pauciflora
• lang ausgeprägt
• enthält Nektar
• lockt bestäubende Insekten an.
Bei Ophrys holoserica
• kein funktioneller Nektarsporn
• Bestäubung erfolgt ohne Belohnung durch Täuschung.

6. Fruchtknoten

Der Fruchtknoten liegt unterständig. Nach erfolgreicher Bestäubung entwickelt er sich zu einer Kapselfrucht mit zahlreichen feinen Samen.

7. Fazit

Obwohl sich Ophrys holoserica und Orchis pauciflora deutlich in ihrer Blütenform und Bestäubungsbiologie unterscheiden, besitzen sie denselben systematischen Grundbauplan der Orchideenblüte:
• 3 Sepalen
• 2 seitliche Petalen
• 1 umgebildetes Petal (Labellum)
• verwachsene Säule (Columna)
• Pollinien als Pollenpakete
• unterständiger Fruchtknoten
Die Unterschiede betreffen vor allem die Anpassungen an unterschiedliche Bestäubungsmechanismen: Ophrys holoserica setzt auf Insektentäuschung, während Orchis pauciflora Bestäuber durch Nektar im Sporn anlockt.