Vulkaninsel Nisyros

Während eines Aufenthalts auf Rhodos bietet sich die Gelegenheit, die rund 70 Kilometer südwestlich gelegene Insel Nisyros zu besuchen. Ein zweitägiger Ausflug ermöglicht es, die Insel ohne Zeitdruck kennenzulernen und neben den bekanntesten Sehenswürdigkeiten auch ihre landschaftlichen und botanischen Besonderheiten zu entdecken.
Nisyros gehört ebenfalls zur Inselgruppe des Dodekanes, unterscheidet sich aber deutlich von Rhodos. Die vergleichsweise kleine Insel ist vulkanischen Ursprungs und wird von einem der jüngsten noch aktiven Vulkane Griechenlands geprägt. Der gewaltige Einsturzkrater mit einem Durchmesser von etwa vier Kilometern bestimmt bis heute das Landschaftsbild.
Die Überfahrt erfolgt in der Regel mit einer Fähre vom Hafen Mandraki auf Rhodos. Je nach Verbindung dauert die Fahrt etwa zwei bis drei Stunden. Bereits während der Überfahrt bieten sich bei klarem Wetter schöne Ausblicke auf Chalki und Tilos, Inseln des Dodekanes.

Der Haupthafen Mandraki ist zugleich der größte Ort von Nisyros und Ausgangspunkt für die meisten Erkundungen.
Mandraki zählt zu den schönsten Inselorten der Dodekanes. Weiße Häuser mit farbigen Fensterläden schmiegen sich an den Hang unterhalb des Johanniterkastells. Enge Gassen, kleine Plätze und zahlreiche Bougainvilleen verleihen dem Ort seinen typischen Inselcharakter.
Über dem Hafen erhebt sich das Kloster Panagia Spiliani. Der kurze Aufstieg wird mit einem weiten Blick über Mandraki und das Ägäische Meer belohnt. Die Kirche wurde teilweise in eine natürliche Höhle gebaut und zählt zu den wichtigsten Wallfahrtsorten der Insel.

Der Vulkan von Nisyros
ist einer der jüngsten und aktivsten Vulkane Griechenlands. Er entstand vor etwa 150.000 Jahren durch das Aufeinandertreffen der Afrikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte. Das auffälligste Merkmal des Vulkans ist seine etwa 4 Kilometer breite Caldera, die bei früheren gewaltigen Ausbrüchen entstand. Im Inneren befinden sich mehrere Krater, von denen der "Stephanos-Krater" der bekannteste ist. Er hat einen Durchmesser von rund 300 Metern und zählt zu den größten und am besten erhaltenen hydrothermalen Kratern der Welt.
Über einen angelegten Weg kann der Krater betreten werden. Schon beim Abstieg sind Schwefelgeruch, dampfende Erdspalten und gelb gefärbte Schwefelablagerungen wahrnehmbar. Aus verschiedenen Fumarolen steigen heiße Dämpfe auf und verdeutlichen, dass der Vulkan weiterhin aktiv ist. Die Landschaft wirkt fast außerirdisch. Helle Gesteine, schwefelgelbe Verfärbungen und dampfende Öffnungen bilden einen eindrucksvollen Kontrast zum tiefblauen Himmel der Ägäis.
Heute gilt der Vulkan als ruhender, aber aktiver Vulkan. Es gibt keine Lavaausbrüche, jedoch entweichen aus zahlreichen Spalten heiße Dämpfe und schwefelhaltige Gase (Fumarolen). Der Boden ist an vielen Stellen warm, und der typische Schwefelgeruch ist deutlich wahrnehmbar. Diese Erscheinungen zeigen, dass sich unter der Insel weiterhin ein aktives Magmasystem befindet.
Der Vulkan wird regelmäßig von Wissenschaftlern überwacht, da es immer wieder zu kleinen Erdbeben und Veränderungen der Bodentemperatur kommt. Ein größerer Ausbruch gilt derzeit als unwahrscheinlich, kann langfristig jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Der Vulkan ist sicherlich eine der interessantesten Naturattraktionen Griechenlands. Besucher können den Krater zu Fuß betreten und die dampfenden Öffnungen, schwefelgelben Ablagerungen und die beeindruckende Mondlandschaft aus nächster Nähe erleben.

Neben dem Vulkan lohnt sich ein Besuch der kleinen Bergdörfer Nikia und Emporios. Nikia liegt am Rand der Caldera und zählt zu den höchstgelegenen Orten der Insel. Der Dorfplatz mit seinem kunstvoll gelegten Kieselmosaik gehört zu den schönsten Plätzen des Dodekanes. Von hier reicht der Blick weit über den Vulkankessel.
Emporios war einst ein bedeutendes Dorf der Insel, wurde zeitweise jedoch fast vollständig aufgegeben. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Häuser restauriert. Die schmalen Gassen und traditionellen Natursteinhäuser vermitteln einen Eindruck vom früheren Leben auf Nisyros.

Ein zweitägiger Aufenthalt bietet ausreichend Zeit, die Insel in Ruhe kennenzulernen. Neben dem beeindruckenden Vulkan bleibt Gelegenheit für Spaziergänge durch Mandraki, Besuche der Bergdörfer und kleinere botanische Exkursionen.
Gerade außerhalb der Hauptsaison zeigt sich Nisyros von ihrer ruhigen Seite. Die Kombination aus Vulkanlandschaft, traditioneller Architektur und entspannter Atmosphäre macht die Insel zu einer interessanten Ergänzung einer Orchideenreise nach Rhodos.
Wer Rhodos besucht und sich für Natur, Geologie und Pflanzenwelt interessiert, erhält mit einem Abstecher nach Nisyros einen Einblick in eine der ungewöhnlichsten Landschaften Griechenlands. Die aktive Vulkanlandschaft und die eigenständige Vegetation bilden einen reizvollen Kontrast zu den Wäldern und Bergen der Nachbarinsel und erweitern das Reiseerlebnis um eine weitere faszinierende Facette der südlichen Ägäis.

Impressionen

Landkarte