Passau – die Dreiflüssestadt und ihre Maidult

Passau liegt im äußersten Südosten Bayerns, unmittelbar an der Grenze zu Österreich. Die Stadt verdankt ihre besondere Lage drei Flüssen: Donau, Inn und Ilz. An der sogenannten Ortsspitze, dem Dreiflüsseeck, treffen sie aufeinander. Der aus den Alpen kommende Inn führt meist grünliches Wasser, die Donau erscheint eher blau-braun, während die aus dem Bayerischen Wald kommende Ilz dunkel gefärbt ist. Bei entsprechenden Wasserständen sind die unterschiedlichen Farben noch ein Stück weit nach dem Zusammenfluss zu erkennen.
Die historische Altstadt liegt auf einer schmalen Halbinsel zwischen Donau und Inn. Ihre Lage, die steilen Ufer und die barocken Fassaden geben Passau ein unverwechselbares Stadtbild. Mittelpunkt der Altstadt ist der Dom St. Stephan mit seinen markanten Türmen und der großen Orgel. Oberhalb der Stadt erhebt sich die Veste Oberhaus, von der sich ein weiter Blick über die Altstadt und das Dreiflüsseeck bietet. Die Burganlage geht auf das Jahr 1219 zurück und war über Jahrhunderte ein wichtiger Herrschaftssitz der Passauer Bischöfe.
Die drei Flüsse waren für die Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung. Passau lag an wichtigen Handelswegen und wurde zu einem Umschlagplatz für Waren, insbesondere für Salz. Gleichzeitig waren die Flüsse immer auch eine Gefahr. Hochwasser gehören zur Geschichte der Stadt und haben das Leben in Passau immer wieder beeinflusst.
Neben ihrer historischen Altstadt ist Passau heute Universitätsstadt, Ausgangspunkt für Donaukreuzfahrten und ein beliebtes Ziel für Besucher. Die Uferpromenaden, die Altstadtgassen und die Aussicht auf die drei Flüsse gehören zu den charakteristischen Eindrücken eines Passau-Besuchs.

Dom St. Stephan

Veste Oberhaus

Maidult, Trachten- und Schützenumzug

Die Passauer Maidult
Die Passauer Maidult gehört zu den großen Volksfesten Ostbayerns. Sie findet traditionell im Frühjahr statt, während die Herbstdult im September den zweiten großen Festtermin bildet. Bierzelte, Fahrgeschäfte, Buden, Musik und bayerische Küche gehören ebenso zur Maidult wie der große Trachten- und Schützenumzug durch die Innenstadt.
Die Geschichte der Maidult reicht weit zurück. Ihr Ursprung liegt im "Krügermarkt zu St. Nikola", der erstmals 1666 urkundlich erwähnt wurde. Damals fand der Markt im Bereich der heutigen St.-Jakob-Kirche statt. 1816 wurde die Maidult erstmals auf den Kleinen Exerzierplatz verlegt. Nach der Eingemeindung von St. Nikola wurde aus der Nikolaer Maidult ab 1871 die "Passauer Maidult".
Über viele Jahrzehnte war der Kleine Exerzierplatz im Stadtgebiet der Mittelpunkt des Festes. Erst 2004 zog die Dult auf den heutigen Festplatz im Messepark Kohlbruck um. Der Wechsel war nicht unumstritten und ging einem Bürgerentscheid voraus. Der neue Standort bot wesentlich mehr Platz für Fahrgeschäfte, Festzelte und Besucher.
Ein besonderer Bestandteil der Maidult ist der große Trachten- und Schützenumzug am ersten Festsonntag. Er führt vom Dom durch die historische Altstadt und bringt Trachtenvereine, Schützen, Musikkapellen und die Festgespanne der Brauereien zusammen. Mit mehr als 3.000 Teilnehmern gehört er zu den größten Festzügen Bayerns.
Damit verbindet die Maidult zwei unterschiedliche Seiten Passaus: Einerseits steht sie für moderne Volksfestunterhaltung mit Fahrgeschäften und großen Festzelten, andererseits für regionale Tradition, Tracht, Musik und die bayerische Wirtshaus- und Festkultur.

Der große Trachten- und Schützenfestzug
am ersten Sonntag ist einer der Höhepunkte der Passauer Maidult. Er findet bereits seit 1966 in seiner heutigen Form statt und gehört mit mehr als 3.000 Teilnehmern zu den größten Trachten- und Schützenumzügen Bayerns. Rund 100 Trachten-, Schützen- und Musikgruppen nehmen daran teil. Dazu kommen historische Gruppen, Vereine aus der Region, Abordnungen der Passauer Partnerstädte sowie prächtig geschmückte Pferde- und Brauereigespanne.
Der Festtag beginnt traditionell mit einem Gottesdienst im Dom St. Stephan. Nach dem Fahneneinzug versammeln sich die Teilnehmer auf dem Dom- und Residenzplatz. Von hier setzt sich der mehrere Kilometer lange Zug durch die historische Altstadt in Bewegung. Die Strecke führt über den Rindermarkt und das Peschlbergerl zur Donaulände, vorbei am Rathausplatz bis zum Römerplatz. Anschließend geht es entlang der Donau wieder in Richtung Innenstadt, durch die Große Klingergasse und die Fußgängerzone bis zum Ludwigsplatz, wo der Festzug endet.

Maidult, Trachten- und Schützenumzug

Maidult, Trachten- und Schützenumzug

Für die Zuschauer ist vor allem die Vielfalt des Zuges interessant. Trachtengruppen präsentieren unterschiedliche regionale Trachten, dazwischen marschieren Schützenvereine und Musikkapellen. Fahnen, Standarten und historische Vereinskleidung wechseln sich mit festlich geschmückten Wagen und Pferdegespannen ab. Besonders eindrucksvoll sind die großen Brauereigespanne, die mit ihren Pferden und aufwendig dekorierten Wagen an die lange Tradition der Passauer Bierkultur erinnern.
Die historische Passauer Altstadt bildet dabei eine passende Kulisse. Enge Gassen, historische Häuser, der Dom und die Uferbereiche der Donau geben dem Zug einen völlig anderen Charakter als ein Festzug, der ausschließlich über einen modernen Festplatz führt. Tausende Zuschauer stehen entlang der Strecke und verfolgen das Geschehen. Am Ludwigsplatz befindet sich eine Ehrentribüne; dort werden die einzelnen Gruppen für die Zuschauer zusätzlich über Lautsprecher angekündigt.

Der Festzug der Maidult 2012
Auch bei der Maidult 2012 war der Trachten- und Schützenumzug für den ersten Festsonntag, den 29. April 2012, angesetzt. Der Beginn war für 10.30 Uhr vorgesehen. Damit stand der Sonntag bereits am Vormittag ganz im Zeichen des traditionellen Teils der Maidult.
Für die Teilnehmer bedeutete der Umzug zugleich einen Wechsel zwischen zwei sehr unterschiedlichen Schauplätzen: Der Festzug bewegte sich durch die historische Innenstadt, während das eigentliche Volksfest bereits seit 2004 im Messepark Kohlbruck stattfand. Nach dem Ende des Umzuges wurden die Teilnehmer zum Dultgelände gebracht, wo der Festbetrieb weiterging. So verband der Sonntag die historische Stadt Passau mit dem modernen Volksfest auf dem Messegelände.
Gerade diese Verbindung macht den Passauer Festzug interessant. Er ist nicht nur eine folkloristische Einlage innerhalb der Maidult, sondern führt die Traditionen der Vereine und Trachtengruppen mitten durch das Zentrum der Stadt. Für einige Stunden gehört die Passauer Altstadt den Musikanten, Trachtlern, Schützen, Pferden und Festwagen. Danach verlagert sich das Geschehen wieder nach Kohlbruck, wo die Teilnehmer und Besucher gemeinsam weiterfeiern.
Der Festzug zeigt damit eine andere Seite der Maidult als die Fahrgeschäfte und Bierzelte: Hier stehen nicht Geschwindigkeit, Unterhaltung und Schausteller im Vordergrund, sondern Vereine, regionale Trachten, Musik und gelebte Tradition. Gerade deshalb gehört der Sonntag mit seinem großen Umzug zu den charakteristischen Momenten der Passauer Maidult.

Maidult, Trachten- und Schützenumzug

"Dult"

Die Bezeichnung "Dult" ist ein sehr alter Begriff und geht auf das mittelhochdeutsche bzw. althochdeutsche Wort "tult" zurück. Gemeint war ursprünglich ein "kirchliches Fest oder eine Feier zu Ehren eines Heiligen", häufig verbunden mit einem Markt.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus die Bedeutung eines "regelmäßig stattfindenden Jahrmarktes oder Volksfestes". Solche Märkte fanden oft anlässlich eines Kirchenfestes statt und waren zunächst eng mit dem religiösen Kalender verbunden.
Heute bezeichnet "Dult" meist ein Volksfest mit Marktständen, Fahrgeschäften, Gastronomie und Unterhaltung – der ursprüngliche kirchliche Bezug ist weitgehend verschwunden.
Für Passau ist interessant, dass die Maidult ursprünglich tatsächlich mit einem kirchlichen Fest verbunden war.

Impressionen

Landkarte