Schloss Gobelsburg – 1000 Jahre Geschichte und Weinkultur
Wer durch Gobelsburg bei Langenlois fährt, könnte das Schloss auf den ersten Blick für ein schönes, barockes Landgut halten. Tatsächlich steckt hinter den Mauern eine Geschichte, die weit zurückreicht. Die erste urkundliche Erwähnung von Gobelsburg stammt aus dem Jahr 1074. Noch älter ist die Besiedlung des Gebietes: Archäologische Funde weisen auf menschliche Spuren bis in die Steinzeit und Bronzezeit zurück.
Heute ist Schloss Gobelsburg vor allem für seine Weine bekannt. Das Weingut zählt zu den bedeutendsten des Kamptals und steht zugleich in einer ungewöhnlich langen Verbindung mit dem "Zisterzienserstift Zwettl". Seit fast neun Jahrhunderten gehören Weinbau und Klostergeschichte hier zusammen.
Von den Kuenringern zu den Zisterziensern
1074 wird ein gewisser "Azzo de Gobatsburich", ein Vorfahre der Kuenringer, in einer Urkunde als Zeuge genannt. Die Kuenringer gehörten zu den einflussreichsten Adelsgeschlechtern des mittelalterlichen Niederösterreichs. Die damalige Burg Gobelsburg lag strategisch günstig auf einer Anhöhe und war ursprünglich wesentlich stärker befestigt als das heutige Schloss.
Auch die Geschichte des Stiftes Zwettl ist eng mit den Kuenringern verbunden. Hadmar I. von Kuenring gründete 1138 das Zisterzienserstift. Die Mönche erhielten umfangreiche Ländereien und begannen damit, diese wirtschaftlich zu nutzen.
Für Gobelsburg besonders wichtig wurde das Jahr 1171. Damals erhielten die Zisterzienser des Stiftes Zwettl Weingärten am "Heiligenstein und am Gaisberg". Beide Lagen gehören auch heute noch zu den bedeutenden Weinrieden des Kamptals. Damit beginnt eine Weinbautradition, die über mehr als 850 Jahre hinweg bis in die Gegenwart reicht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Schloss und Weingut bereits damals eine Einheit waren. Die Burg und die umliegenden Besitzungen wechselten im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Bis 1740 waren insgesamt zahlreiche Adels- und Landadelsfamilien mit Gobelsburg verbunden.



Vom Renaissance-Schloss zum barocken Landsitz
Aus der mittelalterlichen Burg entstand im 16. Jahrhundert eine Renaissanceanlage. Anfang des 18. Jahrhunderts kam es zu einer weiteren großen Veränderung. Der damalige Besitzer "Achaz von Ehrenreich Hohenfeld" ließ das Schloss ab 1725 umfassend umbauen und barockisieren.
Das heutige Erscheinungsbild geht im Wesentlichen auf diese Zeit zurück. Der Architekt war "Joseph Munggenast", einer der bedeutenden Baumeister des österreichischen Barock. Aus der einstigen Burg wurde ein repräsentativer Landsitz mit vier Flügeln und einem geschlossenen Innenhof.
Auch die Lage des Schlosses ist bemerkenswert. Gemeinsam mit der Pfarrkirche bildet es auf dem Burgberg noch heute eine Anlage, deren Ursprünge auf die frühere Befestigung zurückgehen. Im Inneren finden sich zahlreiche Details aus der Barockzeit, darunter Stuckarbeiten, historische Öfen und eine Kapelle mit einem Werk des "Kremser Schmidt".
1740 beginnt ein neues Kapitel
Am 17. September 1740 kam es zu einem entscheidenden Einschnitt. Der hochverschuldete Achaz von Hohenfeld verkaufte Schloss Gobelsburg samt den dazugehörigen Besitzungen für 40.000 Gulden an das Stift Zwettl.
Für die Zisterzienser war der Kauf naheliegend. Sie besaßen bereits seit dem 12. Jahrhundert umfangreiche Weingärten und landwirtschaftliche Flächen in der Gegend. Mit dem Erwerb von Gobelsburg kamen weitere Weinlagen hinzu. Schloss und Weingut wurden schließlich zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein des Stiftes.
Nach einem Brand des Wirtschaftshofes in Kammern im Jahr 1786 wurde die Verwaltung des Gutes nach Gobelsburg verlegt. Damit rückte das Schloss noch stärker in den Mittelpunkt des klösterlichen Weinbaus.
Die Verbindung zum Stift Zwettl besteht bis heute: Schloss Gobelsburg befindet sich weiterhin im Besitz des Zisterzienserstiftes Zwettl.
Eine wechselvolle Zeit
Auch an Gobelsburg gingen die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jahrhunderts nicht spurlos vorbei. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Schloss ein Lehrlingserholungsheim eingerichtet. Während des Zweiten Weltkriegs waren französische Kriegsgefangene im Schloss untergebracht.
Nach Kriegsende befand sich das Gebäude in einem schlechten Zustand. Böden waren herausgerissen worden, Einrichtungsgegenstände beschädigt oder verschwunden. Es dauerte Jahre, bis das Schloss wieder instand gesetzt werden konnte.
Eine wichtige Persönlichkeit dieser Zeit war Pater Bertrand Baumann, der 1958 die Leitung der Herrschaft Gobelsburg übernahm. Er setzte umfangreiche Renovierungsarbeiten in Gang und kümmerte sich auch um den Weinbau. Unter seiner Leitung entwickelte sich Gobelsburg wieder zu einem angesehenen Weinbaubetrieb.



Das Weingut Schloss Gobelsburg
Heute steht bei Schloss Gobelsburg natürlich der Wein im Mittelpunkt. Die historischen Weingärten sind dabei weit mehr als eine schöne Kulisse. Sie bilden die Grundlage für Weine, bei denen die Herkunft der einzelnen Lagen eine zentrale Rolle spielt.
Zu den wichtigsten Rebsorten gehören Grüner Veltliner und Riesling. Daneben werden unter anderem Pinot Noir, St. Laurent, Zweigelt und Merlot angebaut. Besonders bekannt sind die Weine aus historischen Lagen wie Heiligenstein, Gaisberg und Lamm.
Interessant ist die Philosophie des Weingutes: Nicht allein die Rebsorte soll den Charakter eines Weines bestimmen, sondern vor allem der Ort, an dem die Trauben wachsen. Boden, Hanglage und Kleinklima spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Das passt durchaus zur langen Geschichte des Hauses. Schon die Zisterzienser waren darauf angewiesen, die Besonderheiten ihrer Besitzungen zu kennen und sinnvoll zu nutzen. Aus den damaligen Wirtschaftsbetrieben ist über die Jahrhunderte eine moderne Weinwirtschaft entstanden.
Tradition und Gegenwart
Seit 1996 wird das Weingut von Eva und Michael Moosbrugger geführt. Michael Moosbrugger kam ursprünglich aus dem Hotelgewerbe und hatte zuvor Erfahrungen im Weinbau gesammelt. Gemeinsam entwickelten die beiden das Weingut weiter, ohne dabei die historische Identität des Hauses aus den Augen zu verlieren.
Das Weingut ist Mitglied der "Österreichischen Traditionsweingüter", die sich unter anderem mit der Klassifizierung bedeutender historischer Weinlagen beschäftigen. Die Weine aus Gobelsburg reichen von den regionalen Kamptal-DAC-Weinen bis zu hochwertigen Lagenweinen.
Auch im Keller verbindet man Tradition mit modernen Erkenntnissen. Die Weine werden möglichst schonend verarbeitet und teilweise in großen Holzfässern ausgebaut. Eine Besonderheit ist das sogenannte "Dynamic Cellar": Die großen Fässer stehen auf beweglichen Konstruktionen und können dadurch leichter bewegt werden. So lässt sich der Einsatz von Pumpen reduzieren.
Ein Schloss, das Wein Geschichte erzählen lässt
Schloss Gobelsburg ist damit mehr als ein barockes Schloss inmitten der Kamptaler Weinlandschaft. Hier treffen mehrere Jahrhunderte niederösterreichischer Geschichte aufeinander: die Kuenringer, die Habsburger, verschiedene Adelsfamilien, die Zisterzienser von Zwettl und schließlich ein modernes Weingut.
Besonders bemerkenswert ist die Verbindung zwischen Stift Zwettl und dem Weinbau rund um Gobelsburg. Die ersten Weingärten der Zisterzienser in der Region sind seit 1171 dokumentiert, das Schloss selbst kam allerdings erst 1740 in den Besitz des Stiftes. Aus diesen beiden Entwicklungen entstand schließlich das heutige Weingut Schloss Gobelsburg.
Wer heute im Schlosshof steht und über die Weinberge des Kamptals blickt, sieht deshalb eine Landschaft, die nicht erst in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist. Die Rebzeilen am Heiligenstein und Gaisberg stehen in einer Weinbautradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht.
Fast 1000 Jahre urkundlich greifbare Geschichte und mehr als 850 Jahre nachweisbare Verbindung zum Weinbau - in Gobelsburg liegen diese Zeiträume ungewöhnlich dicht beieinander.

Tip: Kellerführung & Weinverkostung
Wer die Geschichte des Schlosses nicht nur von außen kennenlernen möchte, kann an einer Kellerführung mit anschließender Weinverkostung teilnehmen. Dabei geht es hinunter in die historischen Kelleranlagen, wo die lange Weinbautradition des Hauses besonders anschaulich wird.
Bei der Führung erfährt man Interessantes über die Geschichte des Weingutes, die Arbeit im Keller und die Besonderheiten der verschiedenen Weinlagen. Anschließend darf natürlich verkostet werden: Bei der Weinprobe lassen sich unterschiedliche Weine des Weingutes kennenlernen und die Unterschiede zwischen Rebsorten und Lagen direkt vergleichen.
Eine solche Führung ist eine schöne Ergänzung zum Schlossbesuch – denn nach den vielen Jahrhunderten Geschichte wird bei einem Glas Wein unmittelbar erlebbar, dass die Tradition in Gobelsburg bis heute weitergeführt wird.

























































