Hundertwasserkirche in Bärnbach
Die Hundertwasserkirche ("Pfarrkirche St. Barbara") ist ein markantes Sakralgebäude in der weststeirischen Stadtgemeinde Bärnbach. Die in den späten 1940er-Jahren erbaute Kirche wurde 1987 bis 1988 nach den Entwürfen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser völlig neu gestaltet. Sie gilt als bedeutendes Beispiel für die Verbindung von moderner Kunst, Architektur und religiöser Symbolik.
Die ursprüngliche Kirche wurde nach Plänen des Architekten Karl Lebwohl errichtet und im Jahr 1950 der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, geweiht. Dies spiegelte die damals starke Verwurzelung der Region im Kohlebergbau wider.
Mitte der 1980er-Jahre war eine umfassende Sanierung des schlichten Nachkriegsbaus notwendig. Auf Initiative des damaligen Pfarrers Friedrich Zeck wurde der weltbekannte Künstler Friedensreich Hundertwasser für das Projekt gewonnen. Hundertwasser übernahm die Umgestaltung honorarfrei, unter der Bedingung, dass seine architektonischen Kernprinzipien ohne Kompromisse umgesetzt werden. Die feierliche Einweihung der neu gestalteten Kirche fand am 4. September 1988 statt.


Die Transformation durch Hundertwasser veränderte das Erscheinungsbild des Gebäudes grundlegend. Getreu seiner Philosophie, dass die gerade Linie "gottlos" sei, dominieren organische Formen, unebene Flächen und eine farbenfrohe Ästhetik. Der markanteste Teil des Ensembles ist der rund 42 Meter hohe Zwiebelturm. Hundertwasser ließ den ursprünglichen, spitzen Turm durch eine vergoldete Zwiebelkuppel ersetzen, die als Symbol für den Orient und die Verbindung der Kulturen dient. Große, farbige Keramikmosaike und Symbole (wie das Alpha und Omega sowie ein Anker) zieren die Fassade des Turms.
Die Außenwände des Kirchenschiffs sind mit bunten Keramikelementen, unregelmäßigen Fensterformen und wellenförmigen Putzstrukturen gestaltet. Das Dach ist teilweise begrünt und trägt die für Hundertwasser typischen Bäume, die direkt aus dem Baukörper wachsen.
Im Gegensatz zur lebhaften Außenfassade ist der Innenraum bewusst schlichter gehalten, um die sakrale Ruhe zu wahren. Dennoch finden sich auch hier Hundertwassers Handschrift in Form von bunten Glasfenstern, einem unebenen Boden im Mittelgang (der an natürliche Waldböden erinnern soll) und einem von ihm entworfenen Strahlenkranz hinter dem Altar. Wichtige sakrale Kunstwerke im Inneren, wie das Kruzifix oder die Statue der heiligen Barbara, stammen von lokalen Künstlern wie Franz Weiss.


Ein wesentlicher Bestandteil des Areals ist der die Kirche umgebende Park, den Hundertwasser als Raum der Toleranz und Ökumene konzipierte. Um das Kirchengebäude herum führen Wege zu "12 ökumenischen Toren". Jedes dieser Tore ist einer anderen großen Weltreligion oder Weltanschauung gewidmet – darunter das Judentum, der Islam, der Buddhismus, der Hinduismus sowie Naturreligionen. Mit dieser Symbolik wollte der Künstler ein Zeichen für den Frieden, den Respekt und die Verbindung zwischen allen Menschen setzen, unabhängig von ihrem Glauben.
Die Hundertwasserkirche gilt als Wahrzeichen von Bärnbach und als bedeutendes Beispiel moderner Sakralarchitektur. Sie verbindet Kunst, Architektur und religiöse Symbolik auf einzigartige Weise. Gleichzeitig steht sie für Offenheit, Vielfalt und den Dialog zwischen Religionen und Kulturen. Durch ihre außergewöhnliche Gestaltung hat sie wesentlich dazu beigetragen, Bärnbach als Kunst- und Kulturstadt bekannt zu machen.
Tip: Führungen
Die Hundertwasserkirche in Bärnbach ist ganzjährig für Besichtigungen zugänglich. Besucher haben die Möglichkeit, an einer Führung durch die Hundertwasserkirche teilzunehmen. Diese werden nach vorheriger Anmeldung über das Pfarramt Bärnbach angeboten und vermitteln Wissenswertes über die Geschichte der Kirche, die künstlerische Gestaltung durch Friedensreich Hundertwasser sowie die Symbolik der zwölf Tore, die für die großen Weltreligionen und Kulturen stehen. Dadurch erschließt sich die vielfältige Bedeutung des Bauwerks weit über seine außergewöhnliche Architektur hinaus.
Tip: Mosesbrunnen
In unmittelbarer Nähe der Hundertwasserkirche befindet sich der Mosesbrunnen, der 1998 vom österreichischen Künstler Ernst Fuchs geschaffen wurde. Er versteht sich als biblische Ergänzung zur Kirche und verbindet religiöse Symbolik mit moderner Kunst. Der siebeneckige Brunnen zeigt im Zentrum eine vergoldete Mosesfigur, auf die aus sieben Eckpunkten Wasserstrahlen gerichtet sind. Das Motiv erinnert an die biblische Geschichte, in der Moses Wasser aus einem Felsen schlägt. Das kunstvoll gestaltete Becken besteht aus 144.000 Glasmosaiksteinen und über 430.000 Kieselsteinen und zeigt Szenen aus dem Leben des Moses. Gemeinsam mit der Hundertwasserkirche bildet der Brunnen ein einzigartiges Ensemble sakraler Kunst im öffentlichen Raum.



















































