Saint-Affrique – Stadt an der Sorgues
Saint-Affrique liegt im Süden des französischen Départements Aveyron. Die Stadt erstreckt sich im Tal der Sorgues und ist von einer abwechslungsreichen Landschaft aus bewaldeten Hängen, Kalkplateaus und den für den südlichen Aveyron typischen roten Böden des Rougier umgeben. Sie gehört zum Regionalen Naturpark Grands Causses und ist ein guter Ausgangspunkt, um diese Landschaft und das Pays du Roquefort zu erkunden.
Mit rund 8.000 Einwohnern ist Saint-Affrique keine große Stadt, besitzt aber für die umliegende Region eine wichtige Funktion. Im Zentrum finden sich Geschäfte, Cafés und Restaurants, außerdem findet regelmäßig ein Markt statt. Die Stadt wirkt dadurch weniger wie ein reiner Fremdenverkehrsort, sondern eher wie ein gewachsenes regionales Zentrum.

Saint-Affrique

Saint-Affrique, Pont Vieux

Saint-Affrique, Notre-Dame de la Miséricorde
Eine Stadt mit mittelalterlichen Wurzeln
Die Geschichte von Saint-Affrique reicht weit zurück. Die Entwicklung der heutigen Stadt steht in Verbindung mit einem ehemaligen Benediktinerpriorat. Im Mittelalter gewann der Ort zunehmend an Bedeutung und entwickelte sich rund um die Sorgues.
Von dieser Vergangenheit sind im Stadtbild noch verschiedene Spuren erhalten. Besonders auffällig ist der Pont Vieux, die alte Brücke über die Sorgues. Die historische Brücke gehört zu den Wahrzeichen von Saint-Affrique und steht heute unter Denkmalschutz. Sie verbindet die beiden Ufer des Flusses und ist zugleich ein guter Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die älteren Bereiche der Stadt.
Die engen Straßen und Gassen rund um das historische Zentrum führen vorbei an älteren Steinhäusern, kleinen Plätzen und teilweise überwölbten Durchgängen. Vieles davon ist weniger spektakulär als in den bekannten mittelalterlichen Orten Frankreichs, vermittelt dafür aber einen guten Eindruck vom alltäglichen Stadtbild des südlichen Aveyron.
Zu den markanteren Bauwerken der Stadt gehört die Kirche Notre-Dame de la Miséricorde. Ihr hoher gotischer Turm ist bereits aus einiger Entfernung sichtbar und bildet einen markanten Orientierungspunkt im Stadtbild.
Die Kirche steht damit stellvertretend für die lange religiöse Geschichte der Stadt. Wie in vielen Orten des Aveyron spielte die Kirche über Jahrhunderte nicht nur als Sakralbau, sondern auch als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens eine wichtige Rolle.
Zwischen Causse und Rougier
Die Umgebung von Saint-Affrique ist landschaftlich besonders interessant. Im Norden und Osten bestimmen die trockenen Kalklandschaften der Causses das Bild. Südlich und westlich beginnen die rötlich gefärbten Landschaften des Rougier. Dazwischen liegen die grünen Flusstäler.
Auch die jahrtausendealte Geschichte der Region ist in der Landschaft präsent. In der Umgebung befinden sich zahlreiche prähistorischer Megalithanlagen, Dolmen genannt.
Der Dolmen de Tièrgues liegt etwas außerhalb von Saint-Affrique bei dem kleinen Ort Tièrgues und gehört zu den zahlreichen Megalithanlagen des südlichen Aveyron. Es handelt sich um eine neolithische Grabstätte, die vermutlich zwischen dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. errichtet wurde. Die aus Kalksteinplatten bestehende Anlage besteht aus seitlichen Tragsteinen und einer großen Deckplatte; ursprünglich war die Grabkammer von einem Erdhügel, einem sogenannten Tumulus, bedeckt.
Der Dolmen ist bemerkenswert gut erhalten und wurde bereits 1889 als Monument historique unter Schutz gestellt. Er ist zugleich ein schönes Beispiel dafür, wie dicht die prähistorischen Zeugnisse in dieser Region liegen: Auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Affrique sind mehr als zwanzig Dolmen bekannt.

Dolmen de Tièrgues

Saint-Affrique und das Land des Roquefort
Die Nähe zu Roquefort-sur-Soulzon ist für Saint-Affrique von besonderer Bedeutung. Die Stadt liegt mitten im sogenannten Pays du Roquefort, einer Region, in der Schafhaltung und Käseherstellung seit langer Zeit zur Landwirtschaft gehören.
Wer Roquefort-sur-Soulzon besucht, kann Saint-Affrique deshalb gut mit einem Aufenthalt verbinden. Von hier sind es nur etwa zehn Minuten bis zu den berühmten Reifungskellern am Combalou.
Der Roquefort ist dabei nicht nur ein Produkt aus einer einzelnen Ortschaft. Seine Herstellung steht für eine ganze Kulturlandschaft aus Schafhaltung, Weidewirtschaft, Kalkplateaus und den Tälern des südlichen Aveyron. Saint-Affrique ist eines der regionalen Zentren dieser Landschaft.
Saint-Affrique eignet sich auch als Ausgangspunkt für die Erkundung des südlichen Aveyron. Neben Roquefort-sur-Soulzon liegen zahlreiche kleinere Orte, Burgen, Dolmen und Landschaftsgebiete in der Umgebung. Auch das mittelalterliche Château de Montaigut und das ehemalige Zisterzienser-Fort Saint-Jean-d'Alcas gehören zu den Zielen in der weiteren Umgebung, ebenso das spektakuläre Viadukt von Millau.
Die Stadt selbst ist dabei weniger spektakulär als manche der touristisch bekannteren Orte des Aveyron. Gerade das macht ihren Reiz aus. Saint-Affrique ist eine gewachsene Kleinstadt, in der die Landschaft, Landwirtschaft, regionale Produkte und das alltägliche Leben noch eng miteinander verbunden sind.
Das Viaduc de Millau
Eine halbe Autostunde von Saint-Affrique entfernt, wenige Kilometer westlich von Millau überspannt das Viaduc de Millau das Tal des Tarn. Die 2004 fertiggestellte Schrägseilbrücke ist eines der eindrucksvollsten Bauwerke Frankreichs und verbindet auf der Autobahn A75 die beiden Hochflächen des Causse Rouge und des Causse du Larzac.
Das von dem Ingenieur Michel Virlogeux konzipierte und vom britischen Architekten Norman Foster gestaltete Viadukt ist 2.460 Meter lang. Die Fahrbahn wird von sieben schlanken Betonpfeilern getragen; der höchste erreicht 245 Meter. Mit den darüber aufragenden Pylonen erreicht das Bauwerk eine Gesamthöhe von 343 Metern und überragt damit sogar den Eiffelturm.
Der Bau begann 2001 und dauerte nur drei Jahre. Eine besondere technische Leistung war das Zusammenschieben beziehungsweise Einschieben der beiden Teile des Stahltabliers von den gegenüberliegenden Seiten des Tarn-Tals. Am 28. Mai 2004 trafen sie sich rund 270 Meter über dem Talboden. Am 14. Dezember wurde das Viadukt offiziell eingeweiht, zwei Tage später für den Verkehr freigegeben.
Heute ist das Viadukt nicht nur ein wichtiger Bestandteil der A75 zwischen Clermont-Ferrand und Béziers, sondern auch ein Wahrzeichen der Region. Besonders beeindruckend wirkt es aus der Entfernung, wenn die sieben Pfeiler scheinbar mühelos die lange, leicht geschwungene Fahrbahn über das tief eingeschnittene Tarn-Tal tragen. Die schlanke Konstruktion fügt sich dabei erstaunlich gut in die großräumige Landschaft der Causses ein.

Viaduc de Millau






























