Der Vercors - Felswände, Schluchten und Hochplateaus
Der Vercors ist eines der eindrucksvollsten Bergmassive im französischen Voralpenraum. Westlich von Grenoble gelegen, erstreckt sich das überwiegend aus Kalkstein aufgebaute Massiv über die Départements Isère und Drôme. Steile Felswände, tief eingeschnittene Schluchten, ausgedehnte Wälder und weitläufige Hochflächen bestimmen das Landschaftsbild. Der höchste Gipfel ist der Grand Veymont mit 2.341 Metern. Ein großer Teil des Gebietes gehört zum 1970 gegründeten "Parc naturel régional du Vercors".
Der Vercors wirkt auf den ersten Blick wie eine geschlossene Berglandschaft. Tatsächlich besteht er aus mehreren unterschiedlichen Landschaftsräumen. Im Norden liegen die sogenannten Quatre Montagnes mit Orten wie Villard-de-Lans, Autrans und Méaudre. Weiter südlich wird die Landschaft zunehmend ursprünglicher. Die Hochplateaus des Vercors gehen dort in ausgedehnte Wälder und offene Weideflächen über, während an den Rändern des Massivs gewaltige Kalkwände senkrecht zu den tiefer liegenden Tälern abbrechen.

Chichilianne, Mont Aiguille

Kalkstein, Schluchten und Hochplateaus
Der Kalkstein ist das bestimmende Element des Vercors. Über Jahrmillionen haben Wasser und Eis das Gestein geformt und ein weit verzweigtes System aus Höhlen, Dolinen und unterirdischen Wasserläufen geschaffen. An den Rändern des Massivs entstanden tiefe Schluchten und spektakuläre Straßen, die teilweise regelrecht in die Felswände hineingebaut wurden.
Mehrere Pässe und Schluchten erschließen das ansonsten relativ abgeschlossene Bergland. Gerade diese Übergänge machen die Anreise zu einem Erlebnis: Nach einer Fahrt durch enge Täler öffnet sich plötzlich eine Hochfläche mit Wiesen, Wäldern und kleinen Bergdörfern. Der Vercors besitzt dadurch immer wieder einen deutlichen Wechsel zwischen engen, felsigen Landschaften und weiten Hochflächen.
Die Landschaft ist dabei keineswegs unberührt. Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft haben sie über Jahrhunderte mitgestaltet. Besonders die Weidewirtschaft auf den Hochflächen und die ausgedehnten Wälder gehören heute zum charakteristischen Bild des Massivs.
Die Réserve naturelle des Hauts-Plateaux
Im Zentrum des Massivs liegt die "Réserve naturelle nationale des Hauts-Plateaux du Vercors", ein großflächiges Schutzgebiet. Hier findet sich eine besonders ursprüngliche Berglandschaft mit Hochwiesen, Kalkfelsen und ausgedehnten Waldgebieten.
Der Bereich ist nur wenig erschlossen und besitzt keine durchgehenden Straßen. Wer hier unterwegs ist, erlebt den Vercors wesentlich ursprünglicher als in den stärker touristisch geprägten Orten im Norden. Wanderwege führen über die Hochflächen und zu Aussichtspunkten an den östlichen Felsabbrüchen.
Die Höhenlage und das unterschiedliche Klima sorgen für eine interessante Mischung aus alpinen und kontinentalen Lebensräumen. Der Vercors ist deshalb auch botanisch bemerkenswert und beherbergt eine große Zahl unterschiedlicher Pflanzenarten, darunter zahlreiche Orchideen.


Vercors, Clusius-Enzian (Gentiana clusii)
Ein Bergmassiv mit vielen Gesichtern
Der Vercors lässt sich nur schwer auf eine einzige Besonderheit reduzieren. Er ist Kalkgebirge, Waldlandschaft, Hochplateau, Wandergebiet und Erinnerungslandschaft zugleich. Die spektakulären Felswände und Schluchten bilden den landschaftlichen Rahmen, während kleine Dörfer, Weiden und Wälder zeigen, dass der Vercors seit Jahrhunderten von Menschen genutzt wird.
Gerade diese Verbindung macht den besonderen Charakter des Massivs aus. Zwischen den stillen Hochflächen, den engen Schluchten und den geschichtsträchtigen Dörfern findet sich eine Landschaft, die weit mehr bietet als spektakuläre Bergpanoramen. Wer den Vercors bereist, entdeckt neben der Natur auch eine Region mit einer bewegten Geschichte und einer bis heute deutlich erkennbaren eigenen Identität.










































