"Stoaroas" – wenn Steine auf Reisen gehen
Manchmal liegt beim Wandern etwas am Weg, das dort ganz offensichtlich nicht zufällig gelandet ist: ein bunt bemalter Stein. Wer ihn findet, hat vielleicht gerade eine "Stoaroas" entdeckt – die österreichische Mundart für "Steinreise".
Die Idee
Ein Stein wird kreativ bemalt – mit einem Motiv, einem Bild oder einem Spruch. Auf der Rückseite bekommt er eine Kennzeichnung, damit seine Reise später nachvollziehbar bleibt. Üblich sind #stoaroas, das Kürzel fb für Facebook, die Postleitzahl des Heimatortes sowie die ersten Buchstaben des Vor- und Nachnamens des Künstlers. Wer mehrere Steine auslegt, kann zusätzlich eine Nummer vergeben. So bleibt jeder Stein eindeutig identifizierbar.
Anschließend wird der Stein auf die Reise geschickt. Er kann an einem öffentlichen Platz, entlang eines Wanderweges, bei einer Sehenswürdigkeit oder an einer anderen markanten Stelle ausgelegt werden.


Der Stein geht auf die "Roas"
Wer einen solchen Stein findet, fotografiert ihn und teilt das Bild in der Facebook-Gruppe #Stoaroas oder #wandersteine – natürlich mit Angabe des Fundortes.
Dann wird der Stein mitgenommen und bei nächster Gelegenheit an einer anderen Stelle wieder ausgelegt. Der Stein ist nun auf seiner "Roas" und wartet auf die nächste Etappe.
Man weiß nie, wohin eine "Stoaroas" führt. Vielleicht wurde ein Stein bei einem Marterl ausgelegt und taucht einige Tage oder Wochen später viele Kilometer entfernt bei einem Gipfelkreuz wieder auf. Über die veröffentlichten Fundorte lässt sich seine Reise verfolgen – zumindest so lange, wie die Finder ihre Stationen melden.
Wichtig dabei: Die Steine sollen nicht gesammelt werden. Auch wenn manche davon wahre kleine Kunstwerke sind, das wäre genau das Gegenteil vom Sinn der Sache. Sie sollen weiterreisen und möglichst lange auf Facebook verfolgt werden können.
Viele machen mit
Die "Stoaroas" lebt davon, dass viele Menschen mitmachen. Niemand muss einen Stein finden, niemand muss selbst einen Stein bemalen und niemand ist verpflichtet, einen gefundenen Stein weiterreisen zu lassen. Es geht vielmehr um eine kleine Geste, die von einem Finder zum nächsten weitergegeben wird.
Der Reiz liegt gerade in der Ungewissheit: Wo wird der Stein als Nächstes auftauchen? Welche Orte wird er kennenlernen und wie weit wird er schließlich reisen?
Im deutschsprachigen Raum ist der Ursprung der Idee der bunt bemalten Wandersteine nicht eindeutig geklärt. In Österreich nahm der Trend etwa ab 2019/2020 deutlich an Fahrt auf und hat inzwischen zahlreiche Anhänger.
Mittlerweile gibt es in Österreich sogar schon "Stoaroas-Tauschplätze". Meist handelt es sich um öffentlich zugängliche Tauschhäuschen, Kistchen oder Körbchen. Dort können bemalte Steine abgelegt oder neue Steine für die nächste Wanderung mitgenommen werden.
Und kaum zu glauben: Inzwischen gibt es sogar eine eigene "Stoaroas.app".
Also, Augen auf bei der nächsten Wanderung
Man weiß ja nie, ob nicht hinter der nächsten Kurve, bei einem Marterl, auf einer Bank oder bei einem Aussichtspunkt ein kleiner Reisebegleiter auf seinen nächsten Finder wartet.














