Clare Island – wilde Insel vor der Küste von Mayo

Vor der Westküste Irlands, wo der Atlantik mit voller Wucht auf die Clew Bay trifft, liegt Clare Island. Die Insel ist etwa acht Kilometer lang, fünf Kilometer breit und wird von einem 462 Meter hohen Berg überragt. Heute leben noch rund 130 Menschen auf Clare Island – dazu kommen schätzungsweise mehr als 2.500 Schafe, einige Kühe, Pferde und Esel. Und es gibt zwei Pubs. Clare Island war außerdem die Heimat der berühmten irischen Seefahrerin und Clanführerin Grace O’Malley.

Die Überfahrt nach Clare Island erfolgt vom Hafen Roonagh nahe Louisburgh im County Mayo und dauert lediglich 20 bis 25 Minuten. Die kurze Fährfahrt führt durch die Clew Bay und bietet Ausblicke auf zahlreiche kleine Inseln sowie auf den markanten Croagh Patrick. Clare Island liegt am Eingang der Bucht und nimmt damit seit Jahrhunderten eine strategisch wichtige Position an der irischen Westküste ein.

Hafen von Clare Island

Clare Island und die O’Malleys
Historisch ist der Name der Insel eng mit einer der schillerndsten Figuren der irischen Geschichte verbunden: Grace O’Malley, auf Irisch "Gráinne Mhaol".
Der O’Malley-Clan beherrschte über Jahrhunderte große Teile der Gewässer rund um Mayo und Galway und nutzte die Lage der Insel für seine Seefahrt. Die berühmteste Vertreterin der Familie war Gráinne O’Malley, auch "Granuaile" genannt. Sie wurde um 1530 geboren und übernahm nach dem Tod ihres Vaters einen Teil der Macht und der seefahrerischen Aktivitäten der Familie. Clare Island wurde zu einem ihrer wichtigsten Aufenthaltsorte.
Gráinne O’Malley war nicht einfach eine "Piratin" im heutigen Sinn. Sie war Clanführerin, Seefahrerin, Händlerin, politische Akteurin und bewaffnete Gegnerin ihrer Feinde. Ihr Einfluss erstreckte sich über große Teile der Westküste Irlands. 1593 traf sie sogar Königin Elisabeth I. in London, nachdem sie beim englischen Hof um die Freilassung ihrer Angehörigen ersucht hatte.
Am Hafen von Clare Island steht heute noch ein massiver Wohnturm, ein sogenanntes "Tower House" aus dem 16. Jahrhundert. Von hier aus konnten die O’Malleys die Seewege rund um die Insel kontrollieren.

Die Insel zu Fuß entdecken
Clare Island lässt sich am besten zu Fuß erkunden, Fahrräder können aber auch direkt am Hafen angemietet werden. Im Süden der Insel findet sich eine offene Kulturlandschaft mit Weideflächen, niedrigen Steinmauern und einer zerklüfteten Atlantikküste. Felsige Buchten bestimmen das Bild, während kleine Höfe und schmale Straßen die dünne Besiedlung widerspiegeln.
Die Landschaft ist windreich und rau, zugleich aber von großer Klarheit. Ein Netz markierter Wanderwege führt vorbei an prähistorischen Megalithgräbern, verlassenen Siedlungen aus der Zeit der Großen Hungersnot und einsamen Buchten.
Einer dieser Wege führt zur Clare Island Abbey, genauer zur St. Brigid’s Abbey. Die Ursprünge der Anlage reichen bis ins Mittelalter zurück, die heutige Kirche stammt im Wesentlichen aus dem 15. Jahrhundert. Die Anlage wird mit der Zisterzienserabtei Abbeyknockmoy im County Galway in Verbindung gebracht.
Auch die Familie O’Malley ist in der Kirche präsent. In der Abbey befinden sich mehrere Gräber der Familie, darunter das bekannte O’Malley-Tomb. Es wird angenommen, dass Gráinne O’Malley hier ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Sicher belegt ist dies allerdings nicht.

Clare Island Abbey

Schafe, soweit das Auge reicht
Und dann sind da noch die Schafe. Sie gehören ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild von Clare Island und sind tatsächlich allgegenwärtig. Auf den weitläufigen Weiden, an den Hängen und manchmal auch direkt am Straßenrand sind sie zu sehen. Bei rund 130 Einwohnern und geschätzten mehr als 2.500 Schafen ist das Verhältnis eindeutig zugunsten der Vierbeiner verteilt.
Die Tiere bewegen sich frei in einer Landschaft, die seit Jahrhunderten von Schafhaltung und traditioneller Landwirtschaft geprägt wird. Besonders typisch sind die niedrigen Steinmauern und Zäune, die die Weideflächen voneinander trennen.

Wer Clare Island besucht, erlebt deshalb nicht nur eine Insel mit viel Geschichte, sondern auch einen Ort, an dem die Landschaft, das Meer, die Schafe und die wenigen Bewohner noch erstaunlich eng zusammengehören.

Impressionen

Landkarte