Ballycroy National Park – Irlands wilde Weite

Tief liegende Wolken, lang gestreckte Täler und kilometerweite, einsame, Nebel verhangen Moore, so präsentiert sich der 117 Quadratkilometer große Ballycroy National Park.
Der 1998 gegründet National Park liegt im County Mayo zwischen der rauen Atlantikküste und den wilden Bergen der Nephin Beg Mountain Range an Irlands Westküste. Er zählt zu den ursprünglichsten Naturlandschaften des Landes.
Herzstück des Ballycroy National Parks ist die Nephin Beg Mountain Range, eine weitgehend unberührte Berglandschaft mit zerklüfteten Bergen und einsamen Tälern, Moorgebieten, klaren Seen und Flüssen sowie große Flächen, die kaum von Straßen oder Siedlungen erschlossen sind.
Diese abwechslungsreiche Umgebung bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter Adler, Otter und seltene Moorpflanzen.

Eine Landschaft ohne Eile
Der Ballycroy National Park ist kein Park im klassischen Sinn. Es gibt keine gepflegten Gartenanlagen, keine spektakulären Bauwerke und keine künstlich gestaltete Attraktionen. Die Sehenswürdigkeit ist die Landschaft selbst, die Weite und die Ruhe. Schon die Fahrt durch die Region vermittelt einen Eindruck davon, wie dünn besiedelt dieser Teil Irlands ist.
Weite Moorflächen ziehen sich zwischen den Bergen dahin. Dazwischen liegen kleine Seen und Wasserläufe, während sich über allem der häufig wechselnde Himmel des irischen Westens spannt.
Das Wetter gehört dabei gewissermaßen zur Landschaft. Sonne, Wolken, Nebel und Regen können hier innerhalb kurzer Zeit wechseln. Gerade dadurch entstehen immer wieder unterschiedliche Stimmungen.

Der Claggan Mountain Coastal Trail
Der Rundweg des etwa 2 Kilometer langen "Claggan Mountain Coastal Trail" ist kurz, aber landschaftlich ausgesprochen abwechslungsreich und vermittelt auf kleinem Raum einen guten Eindruck von dieser Gegend.
Ein Teil des Weges führt über Holzplanken durch die Moorlandschaft. Die Bohlenwege sind nicht nur praktisch, weil der Untergrund feucht und teilweise sumpfig ist, sondern machen die Wanderung selbst zu einem kleinen Erlebnis. Man geht mitten durch eine Landschaft, die ansonsten nur schwer begehbar wäre.
Die Vegetation ist typisch für die irischen Moorgebiete: Heide, Gräser und verschiedene Moorpflanzen wie die gelbe Moorlilie (Narthecium ossifragum) oder der langblättrigen Sonnentau (Drosera longifolia) bestimmen das Bild. Dazu kommen kleine Wasserflächen und immer wieder der Blick auf die umliegenden Berge.
Nach dem moorigen Abschnitt verändert sich die Landschaft. Auf dem Rückweg führt der Rundweg direkt an der Küste entlang. Jetzt liegt der Atlantik unmittelbar neben dem Weg und die offene Landschaft vermittelt ein ganz anderes Gefühl als auf dem Hinweg durch das Moor.
Gerade dieser Wechsel macht den Claggan Mountain Coastal Trail so reizvoll. Auf der einen Seite das stille, feuchte Moor, auf der anderen das offene Meer – und dazwischen ein kurzer, unkomplizierter Wanderweg.

Das Owenduff Bog
Ein besonders wertvoller Teil des Nationalparks ist das Owenduff Bog, eines der letzten großen weitgehend intakten Hochmoorgebiete Irlands und Westeuropas.
Moore sind wesentlich mehr als scheinbar eintönige Flächen. Sie speichern große Mengen Wasser und Kohlenstoff und bilden einen besonderen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Die offenen Moorflächen sind außerdem für die Vogelwelt von Bedeutung.
Die Landschaft wirkt auf den ersten Blick vielleicht karg. Wer aber genauer hinsieht, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt an Pflanzen, die mit den nassen und nährstoffarmen Bedingungen zurechtkommen.

Die Berge der Nephin Beg Range
Im Osten des Nationalparks erhebt sich die Nephin-Beg-Bergkette. Anders als manche der bekannten irischen Wanderberge wirken diese Gipfel ausgesprochen abgeschieden.
Der höchste Berg innerhalb des Wild Nephin National Park ist der Slieve Carr mit 721 Metern. Außerhalb des eigentlichen Nationalparks erhebt sich weiter östlich der deutlich höhere Nephin mit 806 Metern. Zwischen den Bergen liegen ausgedehnte Täler und Moorlandschaften, die nur von wenigen Wegen durchzogen werden.
Wer hier länger unterwegs ist, erlebt daher eine andere Seite Irlands als an den bekannten Küstenstraßen. Es gibt kaum touristische Infrastruktur. Dafür gibt es viel Landschaft – und manchmal erstaunlich wenig Menschen.

Das Visitor Centre
Das Ballycroy National Park Visitor Centre ist ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch. Hier erhält man Informationen über die Landschaft, die Tier- und Pflanzenwelt sowie über die verschiedenen Wandermöglichkeiten.
Auch der Bereich rund um das Besucherzentrum zeigt bereits, was den Nationalpark ausmacht: offene Landschaft, Berge und die Nähe zur Küste. Wer nicht viel Zeit hat, kann sich hier einen ersten Eindruck verschaffen; wer mehr Zeit mitbringt, kann von hier aus auch längere Wanderungen unternehmen.

Impressionen

Landkarte