Mayo Abbey – auf den Spuren von "Mayo of the Saxons"
Wer von Westport aus in Richtung Osten und Süden unterwegs ist, stößt auf eine kleine Ortschaft, deren heutige Größe kaum vermuten lässt, welche Bedeutung sie einst hatte. "Mayo Abbey" liegt im County Mayo und ist heute ein ruhiger, ländlich geprägter Ort. Seine Geschichte reicht jedoch weit zurück – bis in die Zeit der frühen irischen Klöster.
Der Name Mayo geht auf das irische "Maigh Eo" zurück, was ungefähr "Ebene der Eiben" bedeutet. Bekannt wurde der Ort allerdings unter einem anderen Namen: "Mayo of the Saxons", also "Mayo der Sachsen".
Ein Kloster für sächsische Mönche
Um etwa 670 gründete St. Colman von Lindisfarne hier ein Kloster für eine Gemeinschaft angelsächsischer Mönche. Colman selbst war Bischof von Lindisfarne gewesen und hatte sich nach dem Streit um die Berechnung des Ostertermins von Lindisfarne zurückgezogen.
Mayo entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem bedeutenden religiösen und geistigen Zentrum. Mönche und Schüler kamen nicht nur aus Irland, sondern auch aus Großbritannien und anderen Teilen Europas. Die Verbindung zur angelsächsischen Welt blieb über lange Zeit bestehen.
Wie bedeutend Mayo damals war, zeigt auch die frühe schriftliche Überlieferung. Bereits 731 wird Mayo in der "Ecclesiastical History of the English People" des englischen Gelehrten Beda erwähnt. Im 8. Jahrhundert bestanden außerdem Verbindungen nach York und zum fränkischen Reich.
Damit war Mayo bereits ein bedeutendes geistliches Zentrum, als Dublin noch gar nicht jene Bedeutung besaß, die wir heute mit der irischen Hauptstadt verbinden.


Vom Kloster zum Bischofssitz
Die Geschichte des Ortes blieb nicht auf das frühe Mittelalter beschränkt. Nach den kirchlichen Reformen des 12. Jahrhunderts wurde Mayo 1152 auf der Synode von Kells zum Sitz einer Diözese. Über mehrere Jahrhunderte blieb der Ort ein wichtiges kirchliches Zentrum.
Auch politische und kirchliche Unruhen gingen an Mayo nicht spurlos vorüber. Das Kloster wurde mehrfach geplündert und beschädigt. 1370 wurde die Gemeinschaft in ein Augustinerkloster umgewandelt; diese neue Ordnung wurde später auch päpstlich bestätigt.
Eine besondere Persönlichkeit der späteren Geschichte war Patrick O'Healy, Bischof von Mayo. Er wurde 1579 zusammen mit seinem Begleiter auf Befehl der englischen Obrigkeit hingerichtet und gilt als der erste irische Bischof, der wegen seines Glaubens getötet wurde.
Eine Stadt, die einem ganzen County den Namen gab
Heute kaum vorstellbar: Mayo Abbey war einst nicht nur ein Kloster, sondern auch eine bedeutende Siedlung. Im Umfeld des Klosters entstand eine normannische Stadt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts war der Ort so bekannt, dass er schließlich dem gesamten County seinen Namen gab.
Das heutige "County Mayo" verdankt seinen Namen somit diesem kleinen Ort.
Doch die Bedeutung von Mayo Abbey nahm schließlich ab. Im 16. und 17. Jahrhundert führten Reformation, politische Veränderungen und die Auflösung der Klöster zum Ende des klösterlichen Lebens. 1617 wurde die Abtei geplündert und ihre Ländereien wurden eingezogen. Die Diözese Mayo wurde schließlich mit Tuam vereinigt.
Die Ruinen der Abtei
Von der einst bedeutenden Klosteranlage ist heute nicht mehr sehr viel erhalten. Zwischen Gräbern und Mauerresten finden sich die Überreste der alten Kirche und weitere bauliche Spuren des Klosterkomplexes.
Gerade diese unspektakuläre Erscheinung macht den Besuch interessant. Es gibt hier keine gewaltige Kathedrale und keine vollständig erhaltene Klosteranlage. Stattdessen steht man an einem Ort, an dem sich die verschiedenen Schichten irischer Geschichte unmittelbar nebeneinander finden.
Im alten Friedhof befinden sich zahlreiche architektonische Fragmente der früheren Abtei. Darunter sind auch ältere christliche Steinarbeiten und Teile eines frühen Hochkreuzes. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die heute sichtbaren Reste nur einen Teil der ursprünglichen Anlage darstellen.


St. Colman's Famine Church
Zum Ortsbild gehört außerdem die St. Colman's Famine Church, die 1845 eröffnet wurde – also unmittelbar vor beziehungsweise zu Beginn der Großen Hungersnot in Irland.
Die Kirche steht an einem Ort, an dem bereits seit Jahrhunderten Kirchen und klösterliche Gebäude bestanden hatten. Heute erinnert sie zusammen mit den älteren Ruinen daran, dass Mayo Abbey über einen ungewöhnlich langen Zeitraum ein religiöser Mittelpunkt der Region war.
Ein kleiner Ort mit großer Geschichte
Mayo Abbey ist kein Ziel, das man wegen spektakulärer Bauwerke besucht. Seine Besonderheit liegt vielmehr in dem Gegensatz zwischen dem heutigen kleinen Dorf und seiner einstigen Bedeutung.
Hier entstand im 7. Jahrhundert ein Kloster für angelsächsische Mönche. Über Jahrhunderte bestanden Verbindungen zu den geistigen Zentren Europas, später war Mayo Bischofssitz und Mittelpunkt einer größeren Siedlung. Schließlich wurde sogar ein ganzer irischer County nach diesem Ort benannt.
Heute geht es in Mayo Abbey wesentlich ruhiger zu. Wer aber über den alten Friedhof geht und zwischen den Mauerresten steht, bekommt eine Ahnung davon, wie viel Geschichte sich hinter diesem unscheinbaren Ort verbirgt.
Und genau solche Plätze machen eine Reise durch den Westen Irlands interessant: Man muss nicht immer den großen Sehenswürdigkeiten folgen. Manchmal reicht ein kleines Dorf abseits der Hauptstraßen, um ein ganzes Stück irischer Geschichte zu entdecken.



























