Zypern-Orchideen

Zypern ist vor allem für seine mediterrane Landschaft, die langen Küsten und die zahlreichen kulturellen Zeugnisse bekannt. Für Orchideenfreunde bietet die Insel jedoch noch einen weiteren Grund für eine Reise: Bereits im zeitigen Frühjahr beginnt hier die Orchideensaison. Besonders die zweite Märzhälfte ist interessant, wenn viele Arten in den tieferen Lagen bereits blühen, während sich in den höheren Regionen des Troodos-Gebirges die Vegetation erst langsam entwickelt.

Wer Zypern in dieser Zeit besucht, kann deshalb eine botanische Reise gut mit Wanderungen und dem Besuch verschiedener Landschaftsräume verbinden. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Orchideenarten an einem Tag abzuhaken. Interessanter ist es, die unterschiedlichen Lebensräume der Insel kennenzulernen und die Pflanzen dort zu suchen, wo sie tatsächlich vorkommen: in lichten Wäldern, auf offenen Waldwegen, zwischen Macchie und Garrigue, an felsigen Hängen und auf kalkreichen Böden.

Ophrys kotschyi

Die Reise lässt sich gut als Rundreise mit einem Mietwagen durchführen. Die Entfernungen auf Zypern sind überschaubar, allerdings sollte man für die Orchideensuche ausreichend Zeit einplanen. Ein Standort, der auf der Karte nur wenige Kilometer entfernt liegt, kann durch kurvenreiche Bergstraßen deutlich mehr Zeit beanspruchen. Außerdem ist die Suche nach wild wachsenden Orchideen naturgemäß nicht mit einem festen Besichtigungsprogramm vergleichbar. Blütezeiten unterscheiden sich je nach Höhenlage und Witterung, und manche Arten findet man nur mit etwas Geduld und Glück.

Die folgende Route ist daher kein festes Reiseprogramm, sondern ein Vorschlag für etwa 10 bis 12 Tage. Bei zwei zusätzlichen Tagen lässt sich die Reise entspannter gestalten oder um weitere Wanderungen und botanische Exkursionen ergänzen. Ausgangs- und Endpunkt ist Larnaca.

Tag 1-3: Kalavasos

Nach der Ankunft in Larnaca wird der Mietwagen übernommen und die erste Etappe führt nach Kalavasos. Der Ort liegt im südlichen Inselinneren und eignet sich gut als Ausgangspunkt  für die ersten Exkursionen.

Die Tage 2 und 3 können vollständig der Orchideensuche gewidmet werden. In der Umgebung von Kalavasos, Tochni und Kato Drys finden sich unterschiedliche mediterrane Lebensräume, darunter lichte Gehölze, offene Flächen und trockene, kalkreiche Standorte.
Gerade zu Beginn der Reise ist diese Region interessant, weil man sich hier mit der zyprischen Orchideenflora vertraut machen kann. Verschiedene Ophrys-Arten sind ebenso zu erwarten wie Vertreter der Gattungen Anacamptis, Orchis und Serapias. Welche Arten tatsächlich blühen, hängt stark von der Witterung und vom Zeitpunkt der Reise ab.
Für die Suche sollte man sich nicht nur auf einzelne bekannte Fundstellen konzentrieren. Wege und kleine Nebenstraßen außerhalb der Ortschaften bieten immer wieder Möglichkeiten, die Vegetation genauer zu untersuchen.

 

Orchis punctulata

Dactylorhiza romana

Tag 4–5: Platres und Troodos-Gebirge

Nach den ersten beiden Orchideentagen geht es in das Troodos-Gebirge. Mit zunehmender Höhe verändert sich die Landschaft deutlich. Anstelle der trockenen Vegetation der tieferen Lagen dominieren nun ausgedehnte Waldgebiete, insbesondere Kiefernwälder.
Quartier kann man in Platres nehmen. Von hier lassen sich verschiedene Bereiche des Troodos gut erreichen. Die Wälder und Waldränder der Region gehören zu den interessanten Lebensräumen für Orchideen. Gerade wer sich auf die waldwachsenden Arten konzentriert, findet hier einen deutlichen Gegensatz zu den offenen Standorten der ersten Reisetage.
Daneben sollte Zeit für eine Wanderung bleiben. Die "Elias Bridge" und die sie umgebende Landschaft bieten eine gute Möglichkeit, die Wälder des Troodos kennenzulernen. Die historische Steinbrücke liegt in einem bewaldeten Tal und lässt sich mit einer Wanderung verbinden.
Für die Planung wichtig: Auch Ende März kann es im Troodos-Gebirge noch deutlich kühler sein als an der Küste. In höheren Lagen ist sogar Schnee möglich. Entsprechend sollte man bei der Kleidung und bei der Tagesplanung etwas flexibel bleiben.

 

Tag 6–7: Neo Chorio und Akamas-Halbinsel

Von Platres führt die Route weiter nach Westen. Als nächster Standort bietet sich Neo Chorio am Rand der Akamas-Halbinsel an.
Die Akamas-Halbinsel gehört zu den landschaftlich und botanisch interessanten Regionen Zyperns. Hier treffen verschiedene mediterrane Lebensräume aufeinander. Für Orchideenfreunde lohnt es sich, nicht nur einzelne bekannte Fundstellen aufzusuchen, sondern die Vegetation entlang der Wege und Wanderstrecken aufmerksam zu beobachten.
Etliche Wanderungen führt durch die typische Landschaft der Akamas-Halbinsel und lassen sich mit der Orchideensuche verbinden. Je nach Jahreszeit und Wetter können entlang des Weges unterschiedliche Frühjahrsblüher zu finden sein.
Ein weiterer Tag kann für die westliche Küste der Halbinsel genutzt werden.

Avakas-Schlucht und Edro-Schiffswrack
Von Neo Chorio aus bietet sich außerdem ein Ausflug zur "Avakas-Schlucht" an. Hohe Kalksteinwände und die teilweise schattige Vegetation sorgen hier für ein eigenes Mikroklima. Die Avakas-Schlucht sollte allerdings nicht als Orchideenwanderung betrachtet werden. Hier steht vor allem die Landschaft im Vordergrund.
Auf dem Rückweg lässt sich das "Edro-Schiffswrack" an der Küste besuchen. Das 1961 gebaute Frachtschiff liegt seit 2011 vor der Küste bei Pegeia auf den Felsen. Das Wrack kann von Land aus betrachtet werden und ist ein interessantes Zwischenziel, das sich gut mit einer Fahrt entlang der Küste verbinden lässt.

 

Neotinea maculata

Ophrys israelitica

Tag 8–9: Pissouri und die Akrotiri-Halbinsel

Nach dem Aufenthalt im Nordwesten geht es wieder in Richtung Süden nach Pissouri. Damit wechselt auch der Charakter der Landschaft erneut.
Die Umgebung von Pissouri bietet weitere Möglichkeiten zur Orchideensuche. Je nach Blütezeit können hier Arten gefunden werden, die in den höher gelegenen Waldgebieten nicht oder zu einem anderen Zeitpunkt blühen.
Von Pissouri aus lässt sich außerdem die Akrotiri-Halbinsel erkunden. Ein Teil der Halbinsel gehört zu den britischen Sovereign Base Areas. Die britische Präsenz auf Zypern geht auf die britische Kolonialzeit zurück; auch heute befinden sich mit Akrotiri und Dhekelia zwei britische Hoheitsgebiete auf der Insel.
Für Besucher ist die Akrotiri-Halbinsel vor allem wegen ihrer unterschiedlichen Landschaften interessant. Neben Küstenbereichen und Feuchtgebieten gibt es offene Flächen und verschiedene Formen mediterraner Vegetation.
Auf dem Weg entlang der Südküste bietet sich außerdem ein Abstecher zum Aphrodite-Felsen an. Die markante Felsformation vor der Küste ist mit der Aphrodite-Sage verbunden und gehört zu den bekanntesten Landschaftspunkten Zyperns. Für eine Orchideenreise ist der Felsen selbst natürlich kein botanischer Schwerpunkt, er lässt sich aber problemlos in die Route einbauen.

 

Tag 10–11: Agia Napa und Kap Greco

Der letzte Abschnitt der Reise führt in den Südosten nach Agia Napa. Hier endet der botanische Schwerpunkt. Statt weiterer Orchideenstandorte stehen nun die Küste und die Landschaft des Cape Greco im Mittelpunkt. Die Region ist geprägt von hellen Kalksteinfelsen, Klippen, Meereshöhlen und natürlichen Felsformationen.
Entlang der Küste gibt es verschiedene Wander- und Spaziermöglichkeiten. Besonders interessant sind die Sea Caves und die Felslandschaften rund um Cape Greco. Auch der Blick auf das türkisfarbene Mittelmeer unterscheidet sich deutlich von den Waldlandschaften des Troodos oder den felsigen Hängen der Akamas-Halbinsel.
Wer die Reise auf zwölf Tage verlängert, kann hier einen zusätzlichen Tag einplanen oder einen der vorherigen Aufenthalte verlängern.

Tag 12: Agia Napa – Larnaca und Heimreise

Je nach Flugzeit geht es von Agia Napa zurück nach Larnaca. Der Mietwagen wird am Flughafen zurückgegeben.
Eine Reise, bei der die Orchideensuche den Rhythmus bestimmt
Der eigentliche Reiz dieser Rundreise liegt darin, dass sie nicht ausschließlich eine Orchideenreise ist. Die verschiedenen botanischen Gebiete werden mit Wanderungen und landschaftlich interessanten Zielen verbunden.
Die Route führt dabei durch sehr unterschiedliche Landschaftsräume: von den trockenen, mediterranen Gebieten um Kalavasos über die Waldregionen des Troodos bis zur Akamas-Halbinsel und anschließend wieder in die Küstenlandschaften des Südens und Südostens.
Für die Orchideensuche sollte man deshalb nicht versuchen, jeden Tag vollständig zu verplanen. Ein zusätzlicher Vormittag an einem interessanten Standort kann sinnvoller sein als ein weiteres Ausflugsziel. Gerade im März können wenige Kilometer und einige hundert Höhenmeter einen deutlichen Unterschied bei der Vegetation und beim Blühzeitpunkt ausmachen.
Als reine Rundreise sind etwa 10 Tage möglich. Mit 11 bis 12 Tagen bleibt deutlich mehr Spielraum für die Orchideensuche und für Wanderungen. Die hier beschriebene Route kann deshalb auch als Grundlage für eine längere Reise von etwa zwei Wochen dienen, wenn einzelne Standorte intensiver erkundet werden sollen.

Ayia Napa, Sea Caves

Ayia Napa

Impressionen

Landkarte